Angebliche Sonderangebote Warum billig am Ende oft teurer wird

Von Alena Hecker 

Bei Schnäppchen und Sonderangeboten können wir selten widerstehen. Doch nach dem Kauf folgt häufig Ernüchterung: schlechte Qualität, hohe Versandkosten, lange Lieferzeiten. Worauf man achten sollte.

Die Freude über vermeintliche Schnäppchen hält oft nicht lange an.Foto: Antonioguillem/stock.adobe.com

Stuttgart - Preisalarm! Sonderangebot! Tiefpreisgarantie! Bei Schnäppchen können die wenigsten widerstehen. Sparen beim Einkaufen macht Spaß – das bestätigen laut einer Online-Umfrage des Preisvergleichsportals Idealo.de sieben von zehn Deutschen. Rund 70 Prozent der Befragten nutzen demnach regelmäßig den Schlussverkauf, um die besten Schnäppchen zu ergattern, fast genauso viele blättern auf der Suche nach Angeboten durch Prospekte oder nutzen Preisvergleichsseiten im Internet.

Doch dass nicht alle Schnäppchen das sind, was sie auf den ersten Blick vorgeben zu sein, zeigt ein Blick in Online-Shops wie Lieblings-mensch.com, Deintierschmuck.de oder Deinschmuckladen.com, die mit vermeintlichen Gratisangeboten werben. Opal-Halskette für ehemals 139,99 Euro oder personalisierte Handyhülle im Wert von 49,99 Euro – das alles gibt es kostenlos, bezahlt werden muss nur die Versandgebühr.

Das Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale Brandenburg hat sich diese Angebote genauer angeschaut und stellt klar: Verschenkt wird hier nichts! Uhren, die bei Testkäufen laut Shop ursprünglich 89,99 Euro gekostet haben sollen, wurden von anderen Anbietern für wenige Euro verkauft – mit Versandkosten, die weit unter denen der Gratis-Shops lagen. Denn für Versand und Logistik berechnen die genannten Shop­betreiber 9,95 Euro, zusätzlich kostet jedes weitere ausgewählte Produkt fünf Euro.

Unüblich lange Lieferzeiten

Ein Blick in die Versandinformationen verrät zudem unüblich lange Lieferzeiten von bis zu 60 Tagen, also knapp zwei Monaten. Wer das zu spät bemerkt und seinen Kauf stornieren möchte, muss trotzdem oft mit Mahnungen und hohen Mahngebühren rechnen. Das Marktwächter-Team rät darum zur Vorsicht. „Machen Sie sich bewusst: Auch wenn Anbieter mit Gratisangeboten werben – letztendlich wollen und müssen auch sie Geld verdienen und den ausgesetzten Warenwert über einen anderen Weg wieder reinholen.“

Lesen Sie hier: Worauf man bei angeblichen Superschnäppchen im Netz achten sollte.

Ähnliches gilt für andere Null-Euro-Angebote – zum Beispiel für angeblich kostenlose Kreditkarten. Eine Untersuchung der Stiftung Warentest zeigt, dass solche Angebote keinesfalls gratis sind, sondern durchaus Entgelte und versteckte Gebühren anfallen können. So geben manche Banken ihre Kreditkarte nur in Verbindung mit einem Girokonto kostenlos heraus. Andere Karten habe eine voreingestellte Klausel, nach der das ausgegebene Geld am Monatsende nicht auf einmal vom Girokonto eingezogen, sondern via Ratenzahlung zurückgezahlt wird. Wer die Kreditkarte häufig nutzt, häuft damit einen Schuldenberg an.

Auch bei Zusatzangeboten wie Reiseversicherungen oder Tankrabatten sollten künftige Kreditkarten-Besitzer stets bedenken, dass es sich hier nicht um Wohltaten des Anbieters handelt, sondern um Lockangebote, die häufig an anderer Stelle bezahlt werden müssen.

„Null-Prozent-Schnickschnack“

Und was ist mit der Null-Prozent-Finanzierung im Fachhandel? Warum den teuren Fernseher sofort bezahlen, wenn es auch bequem in Raten geht? „Weil der Null-Prozent-Schnickschnack uns von einem vernünftigen Preisvergleich abhält“, so das Verbraucherportal Finanztip. „Und weil wir uns dann gerne mal Kram kaufen, den eigentlich keiner braucht. Erst später merken wir, was das Gerät tatsächlich kostet. Alles schon passiert.“

Erst mal zuschlagen, hinterher nachdenken – warum können wir bei Sonderangeboten bloß so schwer widerstehen? „Das haben wir in der Natur gelernt“, erklärt der Konsumpsychologe Hans-Georg Häusel: „Wenn Sie früher durch den Wald als Jäger oder Jägerin marschiert sind und da kam ein Reh vorbei, da war es immer gut, nicht lange nachzudenken, sondern gleich mal zu schießen und erst hinterher zu fragen: Habe ich eigentlich Hunger? Denn wenn ich es andersrum mache, ist das Reh weg, und wenn ich Hunger hätte, hätte ich ein Problem.“

Doch die Zeiten haben sich geändert. Mittlerweile gilt: Wer immer nur auf den niedrigsten Preis schaut, zahlt am Ende womöglich drauf. Das Verbraucherportal Finanztip hat beispielhaft zwei Waschmaschinen der Marke Bosch miteinander verglichen, beides Frontlader für sieben Kilo Wäsche, ein Modell für 379 Euro, das andere für 449 Euro. Das Ergebnis: „Wer die billigste Maschine kauft, verschenkt am Ende Geld, weil die Kosten für Strom und Wasser die Ersparnis beim Kauf auffressen.“ Ausgehend von 220 Wäschen im Jahr koste die billige Maschine fast 1300 Euro im Betrieb, die bessere nur rund 1000 Euro. Schon nach drei Jahren habe man den höheren Kaufpreis damit wieder hereingeholt.

Polyester statt Baumwolle

Ähnliches fanden die Marktwächter aus Brandenburg bei einem Test von Online-Shops heraus, die Kleidung aus Asien zu unschlagbaren Preisen verscherbeln: Fast alle bestellten Kleidungsstücke waren kleiner oder enger als im Online-Shop angegeben, die meisten hatten Mängel bei der Verarbeitung oder im Schnitt. Vier von 13 bestellten Kleidungsstücken bestanden aus völlig anderen Materialien als angepriesen, etwa aus Polyester statt aus Baumwolle. Hinzu kamen hohe Rücksendekosten, die die Kunden selbst tragen mussten.

Und auch bei Urlaubsreisen gilt: Nicht blind auf das erstbeste Billigangebot vertrauen, sondern vorher Preise und Leistungen anderer Anbieter überprüfen. Wem der Vergleich im Internet zu mühsam ist, kann sich auch an ein Reisebüro wenden. Reisevermittler sind verpflichtet, die preisgünstigste Variante für das gewünschte Reiseziel aus ihrem Sortiment herauszusuchen, andernfalls müssen sie für die Preisdifferenz geradestehen. Dafür sollten Kunden jedoch im Ernstfall auch nachweisen können, dass sie sich nach dem billigsten Angebot erkundigt haben – am besten ist es also, immer zu zweit ins Reisebüro zu gehen.

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