Angriff auf Bienen im Stuttgarter Norden Bienen durch Vandalismus zerquetscht

Von Eva Funke 

In kurzer Zeit haben Rowdies zwei Bienstöcke demoliert. Trotzdem sollen die Bienenstöcke weiterhin frei zugänglich sein und nicht eingezäunt werden.

Der Bienenstock ist repariert. Schmid ist froh, dass das Volk überlebt hat.Foto: Eva Funke

S-Nord - Einige Bienen sind damit beschäftigt, ihre Toten aus dem Stock zu transportieren. Sie haben sie zwischen ihren Kiefern, fliegen ein paar Meter und lassen die toten Artgenossen fallen. Andere reparieren Waben. Der Grund: Kurz nach dem Unbekannte auf dem Dach des Züblin-Parkhauses einen von zwei Bienenstöcken der Berufsimker von Summtgart umgekippt haben, wurde auch auf dem Stadtacker bei der Wagenhalle in Stuttgart-Nord ein Stock demoliert. Beide Male wurden dabei Bienen totgequetscht. „Zum Glück hat die Königin überlebt. Das Volk ist zum Großteil mit dem Schrecken davon gekommen“, sagt Hobbyimker Christian Schmid. Er hat den Schaden entdeckt.

Auf wessen Konto die Zerstörung der Kästen geht, ist unklar. Weder die Hobbyimker vom Stadtacker noch die Berufsimker von Summtgart haben Anzeige erstattet. Auch wollen die Imker ihre Honigbienen nicht einzäunen. „Es ist das erste Mal, dass so etwas passiert ist“, sagt Schmid. Und auch Tobias Miltenberger von Summtgart bestätigt, dass es bislang keine Probleme mit Vandalismus gab. Allerdings seien vor zwei Jahren in Bad Cannstatt drei Stöcke gestohlen worden. Die Diebe wurden nie ermittelt.

Insgesamt hat Summtgart im Stadtgebiet 70 Bienenstöcke an neun Stellplätzen: fünf davon auf dem Gelände des Stadtackers. Dort stehen insgesamt elf Stöcke. Miltenberger schätzt, dass rund 1500 Bienvölker in der City leben. „Die neue Natur ist die Stadt. Dort geht es den Honigbienen besser als auf dem Land.“ Das liegt daran, dass durch die industrialisierte Landwirtschaft und Monokultur kaum noch Wildblumen und Kräuter gibt.

In einem Stock leben im Sommer um die 40 000 Bienen. In der Zeit legt die Bienenkönigin bis zu 2500 Eier täglich. Im Herbst nimmt die Legeleistung ab und wird bei Frost ganz eingestellt., so dass das Volk im Winter auf etwa 10 000 Bienen. schrumpft. Die Winterbienen leben bis zu sech Monate, statt nur sechs Wochen wie die Sommerbienen.

Auch Imker greifen zu drastischen Methoden, um die Produktion zu steigern

Miltenberger kritisiert, dass viele Berufsimker und sogar Hobbyimker zu drastischen Methoden greifen, um die Honigproduktion zu steigern. „Eine Königin lebt etwa vier Jahre. Da sie im Alter weniger Eier legt, wird sie oft bereits nach zwei Jahren getötet und durch eine junge, leistungsstärkere Königin ersetzt. Außerdem werden häufig ihre Flügel beschnitten, um sie am Ausfliegen zu hindern“, sagt er und versichert, dass dies und auch die künstliche Besamung der Königin bei Summtgart absolut tabu ist.

Auch für die Hobbyimker auf dem Stadtacker kommen solche Methoden nicht in Frage. Auch wenn der Ertrag bislang hinter dem des Vorjahrs zurückbleibt. „Der gesamte Stock wiegt jetzt 40 Kilo. Vergangenes Jahr waren es um diese Zeit 80 Kilo“, sagt Schmid. Geerntet hat er im vergangenen Jahr 19 Kilo Honig. Nicht geflogen und Nektar gesammelt haben die Bienen wegen der Regenphase im Frühjahr. „Bekommt die Biene einen Regentropfen ab, ist das so, als würden uns 20 Liter Wasser treffen“. Damit die Bienen nicht verhungern, füttert Schmid noch zwei bis drei Mal pro Woche zu: In ein Plastikgefäß kommt Zuckerwasser. Um zu verhindern, dass die Bienen in den Zuckersee plumpsen und ertrinken schwimmt Kork als Landebahn drauf.

Auch wenn die Täter, die die Stöcke demoliert haben, nicht gefasst werden, ist ihnen nicht zu wünschen, dass sie kräftiggestochen wurden. Da der Stachel Widerhaken hat, wird der Stechapparat beim zurückziehen mit rausgerissen. Nur in wenigen Fällen überleben das die Bienen.

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