Bosch und das Internet der Dinge Wenn das Auto mit der Ladesäule verhandelt

Von Imelda Flaig 

In der vernetzten Welt werden die Dinge immer intelligenter. Bosch etwa arbeitet daran, dass sich ein Auto nicht nur die besten Parkmöglichkeiten sucht, sondern auch sein Ticket selbst bezahlt.

Die Vernetzung macht vieles möglich – Bosch-Mitarbeiter im Werk in Feuerbach können Maschinen überwachen und diese vorausschauend warten.Foto: Bosch

Berlin - Bosch drückt beim Internet der Dinge (IoT) aufs Tempo. Längst sind Autos, Maschinen, Gebäude und weitere Dinge des täglichen Lebens vernetzt. Und die werden immer intelligenter, tauschen sich selbstständig miteinander aus und sind sogar in der Lage, Verträge abzuschließen. Im Bereich Mobilität etwa könne dies bei alltäglichen Abläufen helfen, heißt es bei Bosch. So könnten etwa Mautgebühren, Parkplätze oder das Laden des E-Autos automatisiert abgerechnet werden. Unter dem Motto „Vom Internet der Dinge zur Ökonomie der Dinge“ (also vom Internet of Things zur Economy of Things) gibt der Stuttgarter Technologiekonzern beim Branchentreffen Bosch Connected World in Berlin – eines der weltweit größten internationalen Treffen zum Internet der Dinge – einen Ausblick, wie Dinge künftig miteinander agieren. „Wir bringen die physische und die digitale Welt zusammen und erleichtern so den Alltag der Menschen“, sagte Bosch-Chef Volkmar Denner am Mittwoch. Künftig würden Dinge nicht nur kommunikativ vernetzt sein, sondern auch miteinander Geschäftsbeziehungen pflegen.

Bosch hat allein 2018 insgesamt 52 Millioneninternetfähige Produkte verkauft, über ein Drittel mehr als im Jahr zuvor. Schon heute vernetzt der Konzern mehr als zehn Millionen Geräte unterschiedlicher Hersteller und arbeitet jetzt mit Partnern daran, das Dinge künftig auch in sicheren Systemen miteinander interagieren.

Prototyp mit der EnBW

Mit dem Energieversorger EnBW etwa arbeitet Bosch an einem Prototyp zur Verbesserung des Ladevorgangs von Elektroautos. Erste Tests laufen bereits. Dabei wird der gesamte Ladeprozess – von der Auswahl der Ladestation, über die Reservierung bis zur Bezahlung – deutlich vereinfacht und auf den Kunden zugeschnitten. Etwa wenn der gerne einen Spielplatz oder ein Café in der Nähe der Ladesäule hätte, weil er seine Kinder dabei hat und auch noch einen Kaffee trinken will.

Das Auto zahlt sein Ticket selbst

Bei einem intelligenten Parkmanagementsystem arbeitet Bosch mit Siemens zusammen. Das Fahrzeug kommuniziert dann direkt mit umliegenden Parkmöglichkeiten und verhandelt die besten Konditionen. Sobald der Fahrer an der ausgewählten Parkschranke vorfährt, identifiziert sich das Fahrzeug selbst an der Schranke und diese öffnet sich, ohne dass der Fahrer ein Ticket ziehen muss. Auch beim Ausfahren erhält der Fahrer sofort freie Fahrt, denn das Fahrzeug hat bereits mit der Schranke kommuniziert und die Parkgebühr mittels virtueller Geldbörse bezahlt. Die Autofahrer müssten künftig kein Kleingeld mehr zum Bezahlen bereithalten und könnten auch das Parkticket nicht mehr verlieren, lobt Bosch den Nutzen. Einen entsprechenden Prototyp haben beide Unternehmen auf dem Forschungscampus von Bosch in Renningen und auf dem Siemens Campus in München bereits umgesetzt.

Die Schlüsseltechnologie, die dies ermöglicht, ist eine spezielle Form der elektronischen Datenverarbeitung und -speicherung, die so genannte Distributet Ledger Technologie (DLT) – so etwas wie eine dezentrale Datenbank. Daten liegen nicht in Rechenzentren weniger Plattformanbieter, sondern verteilt auf vielen verschiedenen Servern. „Wir brauchen sichere, offene Plattformen und ein Internet, in dem der Nutzer souverän entscheiden kann, um Vertrauen in digitale Ökosysteme zu stärken“, so Denner. Mit diesen dezentralen Strukturen schaffe man Vertrauen in die Internetplattformen, sagt Bosch-Geschäftsführer Michael Bolle, zudem seien sie sicherer gegenüber Angriffen von außen.

Milliardenmarkt mit jährlich 35 Prozent Zuwachs

Bis 2020 soll das Marktvolumen des Internets der Dinge weltweit auf 250 Milliarden Dollar (rund 223 Milliarden Euro) steigen – ein Zuwachs von jährlich 35 Prozent. „Wir können nicht hinnehmen, dass digitale Innovationen vor allem auf Misstrauen und Ängste stoßen“, so Michael Bolle. Auf Initiative von Bosch beraten am Donnerstag Vertreter führender internationaler Verbände und Organisationen darüber, wie Vertrauen in digitale Systeme geschaffen und sichergestellt werden kann.

Beim diesjährigen Branchentreff Bosch Connected World zeigen mehr als 80 Aussteller, wie die rasante Entwicklung des Internets der Dinge neue Möglichkeiten in der Arbeitswelt und im persönlichen Alltag schafft. Zu den mehr als 150 Rednern zählt auch der Brite Timothy Berners-Lee (HTML-Erfinder und Begründer des World Wide Web). Bei einem so genannten Hackathon entwickeln etwa 700 Programmierer, Start-up-Mitarbeiter und Designer neue Ideen für vernetzte Lösungen im Leben, in der Mobilität, sowie in Industrie und Logistik.

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