Cannabis-Unternehmen Warum Hanf-Aktien Anleger berauschen

Von Benjamin Dieterle 

Cannabis wird in immer mehr Staaten legal. Darüber freuen sich auch Aktionäre. Doch während manche Experten mit nachhaltigem Wachstum rechnen, warnen andere vor einer Blase.

Das kanadische Unternehmen Tilray produziert auch in Portugal. Foto: AFP/Patricia de Melo Moreira

Stuttgart - Am 10. März 2017 trat in Deutschland das sogenannte Cannabis-Gesetz in Kraft. Das erlaubt Patienten, Cannabis als Medizin zu nutzen und in der Apotheke zu kaufen. Die Patienten erhoffen sich durch die Hanfmedikamente zumeist eine Linderung ihrer Schmerzen. Die Zahl der Rezepte und der Umsatz für cannabishaltige Rezepturen ist in den vergangenen zweieinhalb Jahren kontinuierlich angestiegen, stellte das Branchenblatt „Deutsche Apotheker Zeitung“ unlängst fest. Die politischen Bemühungen zum Cannabis-Anbau würden mit dem Boom kaum mithalten.

Cannabishersteller aus Kanada und den Niederlanden, die ihre Produkte nach Deutschland exportieren, profitieren von dieser Entwicklung. Die Anbieter sehen ein Potenzial von Hunderttausenden Hanf-Patienten in Deutschland. Kanada hat als erste führende Industrienation der Welt im Juni 2017 den Anbau und Verkauf von Cannabis legalisiert. Einige der größten Unternehmen der Branche stammen aus diesem Land. Deren Aktien entdecken nun auch immer mehr Anleger aus Deutschland. Wegen zeitweise explodierender Kurse wurden in US-Wirtschaftsmedien bereits Parallelen zur Blase bei Kryptowährungen gezogen. Björn König sieht dagegen Chancen für Anleger. „Viele Analysten rechnen mit einem nachhaltigen Wachstum der Cannabis-Branche, und auch ich würde die Entwicklung für potenzielle Investoren tendenziell eher positiv einschätzen“, sagt der Experte für Kapitalmarktthemen beim Verbraucherportal biallo.de.

Canopy Growth produziert in erster Linie medizinisches Cannabis

Cannabis-Werte seien in der Regel Wachstumsaktien und von daher für Investoren riskanter als klassische, am Markt etablierte Konsumgüteraktien, sagen Experten. König listet einige Faktoren auf, die Anleger beachten sollten, wie das Geschäftsmodell, das Wettbewerbsumfeld, die Verschuldung und die politischen Rahmenbedingungen. Der Anlageexperte verweist auf folgende Regel: Je höher die Renditechance, desto höher das Risiko. „Ich persönlich sehe Cannabis-Aktien eher als Zusatz zu einem ausgewogenen Anlagemix“, sagt König.

Die interessantesten Unternehmen mit dem Kerngeschäft Cannabis sind nach Einschätzung von König derzeit Canopy Growth, Tilray und Aurora Cannabis. Die kanadische Firma Canopy Growth ist der weltweit größte Akteur der Branche mit einem Börsenwert von rund zwölf Milliarden Dollar (10,8 Milliarden Euro). Bereits 2016 hat sich der Konzern durch den Kauf des deutschen Unternehmens Spektrum Cannabis einen Platz auf dem hiesigen Markt gesichert und ist durch Zukäufe wie diesen massiv gewachsen.

Bei den Produkten von Canopy Growth handelt es sich in erster Linie um medizinisches Cannabis in verschiedenen Herstellungsformen. Insbesondere in den USA dürfte es aufgrund der Legalisierung von Cannabis in mehreren Staaten einen wachsenden Markt geben. „Im Moment steht die Aktie allerdings durch ein schwaches Jahresergebnis unter Druck und auch der Vorstandsvorsitzende Bruce Linton musste seinen Posten räumen“, erklärt König. Dennoch: Die langfristige Perspektive sei wegen der Stabilität des Unternehmens aussichtsreich. Zudem habe man mit Constellation Brands einen starken, langfristig orientierten Investor im Rücken. Das größte Wein-Unternehmen der Welt hatte im August 2018 seinen Anteil an der kanadischen Firma auf 38 Prozent aufgestockt.

Aurora Cannabis ist global ausgerichtet

Für Anleger auch interessant dürfte das ebenfalls kanadische Unternehmen Tilray sein. Die Firma ist vor allem in der Marihuana-Forschung tätig. „Da die Forschung gerade auch abseits des medizinischen Nutzens von Cannabis eine erhebliche Rolle spielt, wird Tilray wahrscheinlich künftig ebenfalls zu den führenden Unternehmen der Branche zählen“, sagt König. Außerdem setze Tilray auf die Erforschung von THC-haltigen, alkoholfreien Getränken. THC ist die Substanz in Cannabis, die einen Rausch auslöst. Der Anlageexperte sieht Tilray nicht unbedingt als klassischen Cannabis-Konzern, sondern eher als forschendes Biotechnologie-Unternehmen: „Dieser Bereich verspricht mittelfristig sehr positive Entwicklungen“, so König.

„Zu den attraktivsten der Branche“ zählt der Experte auch das Unternehmen Aurora Cannabis, dessen Kurs dieser Tage jedoch deutlich gesunken ist. Positiv zu bewerten sei die globale Ausrichtung. Dadurch sei das Unternehmen nicht nur vom US-amerikanischen oder kanadischen Markt abhängig. „Aurora ist der größte Hanf-Anbauer in Kanada“, erläutert König. Prinzipiell sei der Fokus auf medizinisches Cannabis eine sinnvolle Geschäftsstrategie, die langfristige Stabilität verspreche. Investoren sollten jedoch eine gewisse Risikobereitschaft mitbringen.

Auch in Deutschland startet die Produktion von Cannabis

Auch in Deutschland startet demnächst die Produktion von Cannabis. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hatte den Anbau von 10,4 Tonnen Medizin-Cannabis ausgeschrieben – die erste Ernte wird im Herbst 2020 erwartet.

Den Zuschlag für den Anbau erhielten dem Institut zufolge drei in Deutschland ansässige Unternehmen. Zwei dieser Firmen sind Tochterunternehmen eines kanadischen Mutterkonzerns: die Aurora Produktions GmbH sowie die Aphira Deutschland GmbH. Die dritte Firma im Bunde ist ein Berliner Start-up namens Demecan. Der Import von Cannabis für medizinische Zwecke soll weiterhin auch möglich sein, heißt es.

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