Citizen Kane zeigt „Stuttgart Wrackstadt“ Stadt ohne Zukunft

Von Swantje Kubillus 

Das Citizen Kane Kollektiv zeichnet in seinem neuen Stück „Stuttgart Wrackstadt“ ein düsteres Bild von Stuttgarts Zukunft.

Jürgen Kärcher (vorne) und Andrea Leonetti in „Stuttgart Wrackstadt“Foto: Alexander Wunsch

Stuttgart - Unter einem Modell lässt sich die Nachbildung der Umwelt im kleineren Maßstab verstehen, und ein Modellbauer ist jemand, der, zumeist sehr akribisch, jene Verkleinerung schöpferisch gestaltet. Ein solcher Modellbauer war der Eisenbahnangestellte Wolfgang Frey. 1978 begann er, ausgehend vom Gleisfeld am Hauptbahnhof, ein Abbild der Stadt Stuttgart in einem Maßstab von 1:160 nachzubauen. Regelmäßig fuhr er nach seiner Arbeit im Hauptstellwerk zu einem Zwischengeschoss an der Haltestelle Schwabstraße und baute an seinem Modell. Nach seinem Tod wurde das 160 Quadratmeter große Stadtmodell umgesiedelt, doch bei dem Transfer zerbrachen Teile und blieben zurück. Ein Stück dieser zurückgelassenen Modellstadt hat das Citizen Kane Kollektiv gefunden und im Rahmen seines neuen Stücks „Stuttgart Wrackstadt“ im Vorraum des Theaters Fitz ausgestellt. Darauf befinden sich keine Autos mehr, nur trostlose Wohnsiedlungen, Straßen sind auseinandergebrochen. Wie einen Albtraum inszenieren die Künstler in dem 60-minütigen Spiel aus Theater, Performance und Musik, das am Mittwochabend Premiere feierte, die Zukunft der Stadt. Stuttgarts Stern leuchtet nicht mehr, unschön baumelt eine tote Stute daran.

In Blaumännern und weißen Turnschuhen stehen die Künstler auf der Bühne, umgeben von Autoreifen, einem alten Motorenteil, das an der Decke hängt, und Efeu, das sich seinen Weg durch den Raum zu bahnen scheint, als würde sich die Natur ihr Gebiet zurückerobern.

Ein schönes, schreckliches Bild vom Untergang der Autostadt

Von einer erzählerischen Metaebene ausgehend, in der von einer Zeit nach der Autoindustrie berichtet wird, im Wechsel gesprochen von Jonas Bolle und Christian Müller, wird der Zuschauer mit soziologischem Blick (von Sarah Kempin) auf eine mögliche Lebenswelt des Prototyps Maschinenbau-Ingenieur (Simon Kubat) gelenkt, um zu erfahren, dass dessen beste Tage vorbei sind. Der Verbrennungsmotor hat ausgedient, die Abfahrt in die Zukunft wurde verpasst. Schön schrecklich soll es sein, das Szenario von Stuttgarts Untergang, manchmal auch humoristisch. Immer wieder ertönen Industrial-Klänge, die Nebelmaschine wird aktiviert, „die Luft der Stadt wirkt wie nach einer Explosion“, heißt es. Wird Stuttgart wirklich so untergehen? Was wäre dann? Entsteht aus jedem Ende ein Anfang?

Ein Modell eigne sich auch dazu, heißt es gegen Ende, Geschaffenes zu erproben, für gut oder schlecht zu befinden, zu verwerfen und wieder neu zu bauen. – Ein Stück Hoffnung, in einem ansonsten düsteren Bild.

Termine: 10. bis 14. Juli im Fitz – Zentrum für Figurentheater, 20:30 Uhr.

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