Dammbruch in Brasilien Vorwürfe gegen Mitarbeiter von Tüv Süd

Von red/epd 

Nach dem verheerenden Dammbruch einer Eisenerzmine in Brasilien weisen Ermittlungen der Polizei auf eine Mitschuld von Mitarbeitern des Tüv Süd hin. Das berichtet eine brasilianische Zeitung.

Bei der Katastrophe waren 249 Menschen ums Leben gekommen.Foto: dpa/Rodney Costa

Berlin/São Paulo - Acht Monate nach dem verheerenden Dammbruch einer Eisenerzmine in Brasilien weisen polizeiliche Untersuchungen auf eine Mitschuld von 13 Mitarbeitern des Prüfunternehmens Tüv Süd und des Bergbaukonzerns Vale hin. Die Mitarbeiter sollen bei den brasilianischen Behörden manipulierte Dokumente zur Sicherheit des Damms eingereicht haben, berichtete die Tageszeitung „O Globo“ am Samstag (Ortszeit) unter Berufung auf die Polizei. Zu diesem Moment seien schon die Sicherheitsprobleme bekannt gewesen.

Insgesamt seien sieben Mitarbeiter von Vale und sechs vom Tüv Süd im Visier der Ermittler, meldete die Zeitung. Die Bundespolizei habe ihre Ergebnisse an die Staatsanwaltschaft übersandt.

Tüv-Ingenieure haben Stabilität attestiert

Bei dem Bruch eines Rückhaltebeckens in Brumadinho kamen am 25. Januar 249 Menschen ums Leben. 21 gelten noch als vermisst. Unter anderem wurde eine Minenarbeitersiedlung unter den Schlammmassen begraben. Der Tüv Süd hatte noch im September 2018 in einem Gutachten die Stabilität des Damms attestiert.

Mehr als ein halbes Jahr vor dem Unglück hatten aber bereits Ingenieure des Tüv Süd auf die mangelnde Stabilität des 85 Meter hohen Damms hingewiesen. Sensoren, mit denen der Wasserdruck kontrolliert wird, schlugen Alarm. Es gab Probleme mit dem Drainagesystem. Die Ingenieure machten klar, dass zu viel Wasser im Damm war und deshalb die Stabilität gefährdet sei, wie brasilianische Medien unter Berufung auf polizeiliche Vernehmungsprotokolle berichteten. Demnach habe Vale zwar versucht, das Problem zu beheben, jedoch erfolglos.

Der Damm in Brumadinho wurde nach der heute veralteten sogenannten Upstream-Methode errichtet. Die Dämme werden in Etappen gebaut, was die Gesamtkonstruktion instabiler und Qualitätskontrollen schwieriger macht. In Brumadinho war 1976 bei Baubeginn eine ursprüngliche Höhe von 18 Metern für den Damm geplant. Durch zahlreiche Erweiterungen ist der Damm dann auf etwa 85 Meter angewachsen.

Artikel teilen