Demokratie und Islam Nur zusammen

Von Markus Brauer 

Demokratie lebt von religiöser Toleranz, gesellschaftlicher Solidarität und politischem Konsens. Wenn mehr als die Hälfte der Deutschen den Islam als Bedrohung ansehen, ist das ein Alarmsignal. Nicht die Religion ist gefährlich, sondern ihr Missbrauch durch Radikale.

Die Spitzen des Minaretts der Sultan-Selim-Moschee (rechts) und des Turms der katholischen Liebfrauenkirche in Mannheim.Foto:  

Stuttgart - Gott sei Dank! Die große Mehrheit der Deutschen hält die Demokratie für eine großartige Sache. 89 Prozent der Bevölkerung (Christen: 93 Prozent, Muslime: 91 Prozent) stehen zu ihren Werten und Prinzipien.

Trotz dieser sagenhaften Zustimmungswerte ist die Herrschaft, die vom Volk ausgeht, aber weder selbstverständlich noch ungefährdet. Ausgerechnet bei der religiösen Toleranz, einem der wichtigsten Schmierstoffe jeder Demokratie, gibt es Defizite: 50 Prozent der Westdeutschen und 57 Prozent der Ostdeutschen nehmen den Islam als Bedrohung wahr.

Ist der Islam gefährlich? Nein!

Laut „Religionsmonitor“ der Bertelsmann Stiftung sehen viele in ihm weniger eine Religion als eine politische Ideologie, die für Dogmatismus und Intoleranz steht. Man kann dem Religionssoziologen und Studienleiter Gert Pickel nur recht geben: Abgrenzende, ablehnende Haltungen – ob religiöse Intoleranz, soziale Ressentiments oder politischer Extremismus – unterminieren jede demokratische Gesellschaft.

Ist der Islam also gefährlich? Eine Bedrohung, vor der sich die Deutschen fürchten müssen? Nein! Nicht der Glaube an den einen Gott und ein Leben nach seinen Geboten sind gefährlich, sondern irregeleitete Einzelne und radikale Gruppen, die Religion für ihre Zwecke missbrauchen.

Chancen und Risiken von Mutikulti

Es ist unbestritten: Der Islam ist eine gesellschaftlich agile und politisch aktive Religion. Und: Die wachsende Zahl von Menschen muslimischen Glaubens wird Deutschland weiter verändern.

Eine sich multisozial, multikulturell und multireligiös wandelnde Gesellschaft birgt immer Chancen und Risiken: kulturelle und gastronomische Vielfalt und Nachwuchs für den Arbeitsmarkt, aber auch Parallelgesellschaften, steigende staatliche Ausgaben, mehr Kriminalität und Alltagskonflikte.

Eben diese Vielfalt und Widersprüchlichkeit gehören zur Demokratie, die nur gemeinsam und niemals gegeneinander gedeihen kann.

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