Der Birklehof in Hinterzarten ist fast 500 Jahre alt In der Stube wird wieder Cego gespielt

Von Heinz Siebold 

Der drittälteste Bauernhof des Schwarzwalds wird für zwei Millionen Euro wieder instand gesetzt – für das Internat Birklehof in Hinterzarten und für die Öffentlichkeit.

Idyllisch gelegen: der Altbirklehof im HochschwarzwaldFoto: Hans-Peter Trefzer

Hinterzarten - Der Altbirklehof bei Hinterzarten im Hochschwarzwald wird renoviert. Das alte Bauernhaus auf dem Gelände der berühmten Privatschule Birklehof stand etliche Jahre leer und soll nach seiner „Ertüchtigung“ im September 2020 aus dem „Dornröschenschlaf“ wachgeküsst wieder als Herberge für Lehrerwohnungen, Internats-WGs und öffentliche Kulturstätte zur Verfügung stehen.

Das sind nüchterne Fakten zu einem Gebäude von besonderer Art: Schließlich ist der Birklehof eines der ältesten im Original erhaltenen, für den Schwarzwald so typischen Gebäude überhaupt.

„Ich hab gleich gesehen, dass man das Haus erhalten kann und muss“, sagt Martin Wangler (50). Der Kabarettist und Schauspieler ist nach Lehr- und Wanderjahren wieder in seine Schwarzwälder Heimat zurückgezogen. Der gelernte Zimmermann aus dem benachbarten Breitnau kennt den Altbirklehof seit Kindheitstagen. „Mein Onkel hatte da unten ein Feld, und ich war oft beim Heuen dabei“, erzählt er. Und manchmal habe „die Frau Picht“ den Bauernbuben ein Glas Wasser angeboten und sie in die gute Stube gerufen. Die gütige Spenderin war die Pianistin Edith Picht-Axenfeld, die Gattin von Georg Picht. Der Philosoph und Pädagoge war von 1946 bis 1955 Leiter des renommierten Birklehof-Privatgymnasiums mit Internat. Picht wurde 1964 als Warner vor der „Bildungskatastrophe“ bekannt.

Das Internat Birklehof war die kleine Schwester von Schloss Salem

Gegründet wurde das Internat Birklehof bereits 1932 als kleine Schwester der Privatschule in Schloss Salem am Bodensee. Beide Schulen sind bis heute geprägt von den Ideen des Reformpädagogen Kurt Hahn. Bürgerkinder wie Michael Klett, Ernst Ulrich von Weizsäcker, Heinrich zu Fürstenberg und Henning Venske machten dort ihr Abitur. Der alte Bauernhof, benannt nach dem zeitweiligen Inhaber Adam Birkle, war von dem Berliner Kaufmann Hans Wendelstadt 1920 gekauft worden. Der in Argentinien zu Reichtum gekommene Unternehmer ließ sich zudem eine imposante Villa bauen, sein „Haus der Freunde“. Dort trafen sich Schriftsteller, Musiker und Theologen, darunter Albert Schweitzer. Nach der Weltwirtschaftskrise 1929 schmolz das Vermögen des Kaufmanns dahin, und er fand mit Unterstützung des Salemer Internats eine neue Nutzung für Haus und Hof.

„Der Altbirklehof ist ein Juwel“, schwärmt Christian Schwär (30). Der junge Architekt ist im Rahmen der laufenden Sanierung Bauleiter am Altbirklehof, es ist seine bislang größte Herausforderung. „Das ist nämlich nicht irgendein Bauernhof, sondern der drittälteste im Schwarzwald“, betont Schwär. Erbaut wurde das Haus 1550. Es sind sehr viele Originalteile vorhanden. Die tragenden Balken etwa, auch die Schwellen, auf denen die Wände ruhen. Doch die sind zum Problem geworden, die Feuchtigkeit hat sie angegriffen und das Haus so buchstäblich in Schieflage gebracht. „Wir mussten das Haus anheben und neue Fundamente aus Beton drunterschieben“, sagt Schwär.

Handwerker von 18 Gewerken sind am Bau tätig

Das ist leicht gesagt, aber solch eine Operation braucht erfahrene Spezialisten und mutige Restauratoren, die sich nicht vor dem Denkmalschutz fürchten. Handwerker von insgesamt 18 Gewerken sind am Bau beschäftigt. In Schwärs Arbeitgeber Willi Sutter, dem Topsanierer aus Kirchzarten, dem im Schwarzwald schon manche „alte Hütte“ ihr Überleben verdankt, hat der Eigentümer des Hofes, der gemeinnützige Verein Schule Birklehof, den idealen Partner gefunden.

„Im letzten Herbst stand alles still. Sutter hatte die rettende Idee“, sagt Vereinsgeschäftsführer Jens-Arne Buttkereit. „Er hat uns darauf hingewiesen, dass wir im Gebäude die ursprüngliche Nutzung wiederaufleben lassen und uns damit einen Bauantrag sparen können.“

Damit war der Bestandsschutz gewährleistet und die Sanierung finanziell tragbar. Die rund zwei Millionen Euro Kosten trägt der gemeinnützige Verein der Schule zu 50 Prozent aus Erspartem. Das Land, die Denkmalstiftung, private Spender und die Europäische Union schießen zusammen über eine halbe Million zu, für den Rest wurde ein Kredit aufgenommen. Das Haus wird außen wie innen, vom Dach bis zum Fußboden komplett saniert. Nicht alles bleibt, wie es derzeit ist. Nach sieben Umbauten ist viel Ursprüngliches verschwunden – und wird nun wieder hergestellt. Die frühere Rauchküche etwa war einst oben offen. Der Rauch des Herdfeuers zog durch das ganze Haus und unterm Dach hingen die Schinken, Würste und Speckseiten zum Räuchern. Diese Küche wird wiederhergestellt, die später eingezogene Decke entfernt und die teerschwarzen Wände werden sichtbar gemacht.

Kabarettist Martin Wangler alias „Fidelius Waldvogel“ wird dabei als sogenannter Botschafter und Kurator für ein Kulturprogramm sorgen, „das alle Sinne anspricht“, wie er selbst verspricht: den Kopf mit Literatur, den Bauch mit Kulinarischem, den Spieltrieb mit Kursen für Cego. Cego, das schwierige Kartenspiel aus der Tarockfamilie, gehört übrigens wie alte Bauernhöfe im Schwarzwald zu den Kulturgütern.

Die teerschwarzen Wände werden sichtbar sein

Eine staatlich anerkannte Privatschule

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