Neuzugang bei Allianz MTV Stuttgart Jennifer Hamson fällt auf – nicht nur wegen ihrer Größe

Von Jochen Klingovsky 

Sie ist 2,01 Meter groß – aber nicht nur das: Wie Diagonalangreiferin Jennifer Hamson eine neue Qualität ins Spiel der Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart bringen soll.

Die Größte und die Kleinste im Kader von Allianz MTV Stuttgart: Jennifer Hamson (re.) ist 2,01 Meter groß, Roosa Koskelo misst 1,64 Meter. Foto: Baumann

Stuttgart - Wer schon Meister ist, sich auf diesem Titel aber nicht ausruhen will, muss andere Wege gehen. Neue Impulse setzen. Etwas verändern. Bei Allianz MTV Stuttgart geschah dies nicht nur aus eigenem Antrieb, der Volleyball-Bundesligist hätte die eine oder andere Spielerin, die sich nach dem gewonnenen DM-Finale verabschiedet hat, durchaus gerne behalten. Umso mehr Energie verwendeten die Verantwortlichen darauf, erneut einen hochklassigen Kader zusammenzustellen. Mit dem Augenmerk auf einen besonderen Aspekt: Größe.

Zum Team gehören, wie bisher, 13 Spielerinnen. Gewachsen ist es trotzdem. Nächste Saison schlagen gleich fünf Profis in Stuttgart auf, die 1,90 Meter oder größer sind. Die Größte ist Jennifer Hamson. 2,01 Meter misst die 27-jährige US-Amerikanerin, die vom VC Wiesbaden kommt und sagt: „Meine Größe ist meine Stärke.“ Und damit steht sie in ihrer Familie nicht alleine da.

Größe ist ein Merkmal der Familie

Wenn die Hamsons in Lindon, einem 10 000-Einwohner-Städtchen im US-Bundesstaat Utah, abends zum Dinner ausgehen, sind sie nicht zu übersehen. Die Eltern, die beiden Brüder und die beiden Schwestern sind ebenfalls über zwei Meter groß. Die zwei Jungs überragen Jennifer Hamson sogar um einen halben Kopf. „Ich habe selten High Heels an“, sagt sie und lacht, „und wenn, dann müssen meine Brüder mit mir unterwegs sein. Da fällt es gar nicht groß auf.“ Beachtlich ist allerdings nicht nur die Familie Hamson. Sondern auch die sportliche Vielseitigkeit der ältesten Tochter.

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Jennifer Hamson spielte in ihrer Jugend Basketball und Volleyball, sie war auf beiden Feldern gleichermaßen talentiert. Auch am College trainierte sie weiterhin beide Sportarten intensiv, manchmal absolvierte sie sogar ein Volleyball- und ein Basketball-Spiel am selben Tag. Auszeichnungen sammelte sie hier wie dort. Mit 22 Jahren startete sie schließlich eine Profi-Karriere – im Basketball. Hamson erhielt einen Vertrag von den Los Angeles Sparks, einem Club in der WNBA, dem weiblichen Pendant zur NBA. „Das sind die beiden besten Basketball-Ligen der Welt“, sagt sie, „mit einem großen Unterschied: Die Gehälter bei den Männern sind gewaltig. Anders als bei den Frauen.“

Vom Basketball zum Volleyball

Doch Hamson betrieb den Sport nie wegen des Geldes. Sondern aus Leidenschaft. Insgesamt vier Jahre spielte sie Basketball auf höchstem Niveau, zuletzt bei den Indiana Fever in der WNBA, sie erhielt auch Einladungen zu Kaderlehrgängen des Nationalteams. Und entschied sich 2018 dennoch, zum Volleyball zu wechseln. Warum, kann sie heute gar nicht mehr so genau sagen: „Einfach, weil ich es wollte.“ Und konnte.

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Hamson hatte zwar keinen Plan, wohin es gehen würde. Aber grenzenlosen Optimismus. Sie landete beim VC Wiesbaden. Der Bundesligist suchte Ersatz für die überraschend zum SSC Schwerin abgewanderte, Diagonalangreiferin Kimberly Drewniok und deren Nachfolgerin, die beim Medizintest durchgefallen war. Hamson wurde schnell zur festen Größe im Spiel des VCW. „Sie ist im Lauf der Saison immer besser geworden, hat auch uns schwer zu schaffen gemacht“, sagt Kim Renkema, die Sportchefin von Allianz MTV Stuttgart, „es war zwar zu sehen, dass sie noch nicht viel Erfahrung hat im Volleyball. Aber auch, dass sie enormes Potenzial besitzt.“ Dieses soll Hamson nun beim Meister ausspielen. Und ihre Größe natürlich auch.

Entlastung und Konkurrenz für Krystal Rivers

In Krystal Rivers ist der MTV im Diagonalangriff bestens besetzt, zu Recht wurde sie im Mai als wertvollste Spielerin der Saison 2018/19 ausgezeichnet. Allerdings war die US-Amerikanerin über Monate hinweg auch voll gefordert, zudem ist sie bei den Gegnern mittlerweile gut bekannt. „Jetzt haben wir eine sehr interessante Konstellation: In Jennifer Hamson können wir in Zukunft eine neue, ganz andere Qualität einwechseln. Sie ist dank ihrer Größe zum Beispiel überragend im Block“, sagt Kim Renkema, „ich bin mir sicher, dass sie eine echte Konkurrentin für Krystal Rivers ist. Sie wird, und das nicht nur, weil wir in drei Wettbewerben dabei sind, auf ordentlich Spielzeit kommen.“

Davon geht auch Hamson aus, auch wenn sie ziemlich zurückhaltend ist, wenn man nach ihren Zielen für die neue Runde fragt. Klar ist für sie nur so viel: „Ich spiele jetzt auf einem höheren Level, in einem der besten Teams in Deutschland. Trainer Giannis Athanasopoulos bringt sehr viel Energie ein. Er wird mir helfen, mich persönlich zu entwickeln. Und er wird das Team weiterbringen.“

Wohin? Ist noch völlig offen. Weil die individuelle Qualität beim DM-Titelverteidiger zwar hoch ist, die neue Mannschaft aber erst zusammenwachsen muss. Und dabei spielt die Größe ausnahmsweise mal keine Rolle.

In unserer Bildergalerie haben wir Sportler zusammengestellt, die ebenfalls 2,01 Meter groß sind – viel Spaß beim Durchklicken.

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