E-Autos auf der IAA Klimaaktivisten stören die IAA-Euphorie

Von Klaus Dieter Oehler 

Der Autobauer Volkswagen strebt die Führung des Weltmarkts bei Elektroautos an. Auf der IAA präsentiert er den ID.3, der im nächsten Frühjahr ausgeliefert werden soll. Andere Hersteller setzen dagegen auf Mehrgleisigkeit bei den Antriebsformen der Zukunft.

Elektroautos haben eine große Zukunft, davon ist VW-Chef Diess überzeugt. Auf der IAA stellt er den ID.3 vor.Foto: AP/Michael Probst

Frankfurt - Bei Volkswagen herrscht Aufbruchstimmung. „Wir schlagen jetzt das dritte Kapitel in unserer Unternehmensgeschichte auf“, verkündet Konzernchef Herbert Diess stolz auf der Internationalen Automobilausstellung. Mit dem Käfer habe VW das Auto zum Massenprodukt gemacht, der Golf stehe gar für eine eigene Klasse, und nun will VW nichts weniger als „der Weltmarktführer bei Elektroautos“ werden. Eine Weile wird das aber noch dauern, bis 2050 will der Wolfsburger Konzern CO2-neutral sein. Aber schon mit dem ID.3, den VW auf der Messe als Weltpremiere vorgestellt hat, sei das Elektroauto in der Mitte der Gesellschaft angekommen – allerdings erst mit einiger Verzögerung, denn die ersten Exemplare des „neuen Golf“ werden erst im kommenden Frühjahr ausgeliefert werden.

Der ID.3 sei das Auto, das jetzt von VW erwartet werde. „Das ist ein ganz entscheidender Moment für das Unternehmen“, sagt Diess. Allen Kritikern, denen sich der VW-Chef im Umfeld der Messe offen stellt, ruft er zu: „Auch wenn es einige in ihrer Weltsicht nicht wahrhaben wollen. Das Auto hat eine große Zukunft.“ Es werde sauber und sicher sein. Und zum Elektroauto gebe es keine Alternative, Wasserstoff werde erst in zehn Jahren interessant, meint der VW-Chef. Dann aber werde schon jedes zweite Konzernfahrzeug in Europa und China ein Elektroauto sein. „Kein anderer Traditionshersteller verfolgt einen so konsequenten Weg wie wir“, sagt Diess.

Demopläne auf der IAA

Wenige Stunden vorher hat er sich anhören müssen, dass jedes Auto ein Klimakiller sei. „Ihr Greenwashing macht mich wütend“, hatte ihn die Aktivistin Tina Velo beschimpft, die mit dem Aktionsbündnis „Sand im Getriebe“ die IAA am Sonntag lahmlegen will. „Wir werden mit unseren Körpern die Zugänge blockieren“, kündigte Velo an und riet den Besuchern, sich einen anderen Tag für den Besuch der Messe auszuwählen. Diese Meinung aber sei nicht die Mehrheit, betont VW-Chef Diess. Als Chef eines überall auf der Welt aktiven Autokonzerns sei er der Überzeugung, dass der Wunsch nach Selbstbestimmung und Freiheit, Technik, Fortschritt und Wohlstand, den das Auto erfülle, nach wie vor bestehe. „Das spüren wir jeden Tag im Gespräch mit unseren Kunden auf der ganzen Welt“, sagte Diess. „In China, Südamerika, Afrika oder hier zu Hause.“

Nicht alle Hersteller aber setzen nur auf den elektrischen Antrieb. An jedem Stand gibt es zwar elektrische Modelle, auch das Wort Hybrid ist nicht zu übersehen. Aber viele Experten rechnen damit, dass es noch auf längere Sicht ein Nebeneinander verschiedener Antriebsarten geben wird. Bei Opel etwa will man auch die Modellpalette „elektrifizieren“, aber auch den Verbrennungsmotor weiter produzieren. In Eisenach zum Beispiel läuft seit rund zwei Wochen der Kompakt-SUV Grandland X vom Band, sowohl als Benziner und Diesel als auch als Elektroauto. „Welchen Mix die Kunden wollen, wird die Zeit zeigen“, meint Opel-Chef Michael Lohscheller, der zufrieden ist, sich die Flexibilität in dem Werk erhalten zu haben. In Zwickau dagegen, wo VW den ID.3 von November an bauen wird, sollen nur Elektrofahrzeuge vom Band laufen. Von Jahr 2021 an sollen dort sechs Modelle von VW, Audi und Seat produziert werden, bis zu 330 000 Stück pro Jahr. 1,2 Milliarden Euro lässt sich VW den Umbau kosten, um die 8000 Arbeitsplätze dort zu sichern.

70 neue Elektromodelle geplant

Mit einem neuen Logo, das „frischer, jünger und dynamischer“ wirken soll, wie Marketingchef Jochen Sengpiehl erklärt, will Volkswagen den Wandel vom Umweltsünder zum Klimaretter unterstreichen. Bis 2028 sollen rund 70 neue Elektromodelle von VW, Audi, Porsche, Seat und Skoda auf den Markt kommen, 22 Millionen Autos aller Konzernmarken sollen dann elektrisch sein. „Das Gesicht unserer Flotte wird das nachhaltig verändern“, sagt Diess.

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