Elektroautos auf der IAA Daimler versucht sich an der E-Limousine

Von Yannik Buhl 

Große Bühne für das jüngste Modell aus dem Hause Daimler: der Autobauer präsentiert seinen Oberklasse- EQS. Damit nimmt die elektrische EQ-Serie des Autobauers Fahrt auf. Das ist auch ein Wagnis.

Daimler-Chef Källenius knüpft große Hoffnungen an den EQS.Foto: dpa/Lennart Stock

Frankfurt - Ola Källenius will die Speerspitze der Marke Mercedes-Benz revolutionieren – die S-Klasse. Der Daimler-Chef steht an diesem Dienstagmorgen auf einer riesigen Bühne in der Frankfurter Festhalle; hier hat das Unternehmen einen großen Teil seiner Ausstellungsfläche auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA). Wenn Källenius Speerspitze sagt, meint er den EQS. Diese elektrische Limousine soll ein Mitglied in Daimlers elektrischer EQ-Familie werden. Hier gibt es den SUV EQC und den Van EQV, ein auf dem GLB basierendes Geländeauto namens EQB ist angekündigt.

„Die S-Klasse ist die Speerspitze der Technologie im Autobau“, sagt Ola Källenius mit ausgebreiteten Armen. Begleitet von wummernden Bässen und elektronischer Musik, fährt Augenblicke später eine futuristisch anmutende Limousine auf die Bühne und hält hinter Källenius. Es ist der EQS – jedenfalls das, was sich die Daimler-Ingenieure derzeit darunter vorstellen. Denn was der Daimler-Chef in Frankfurt vorstellt, ist vorerst nur eine Studie. Der Wagen trägt deshalb auch den vollen Namen Vision EQS.

Daimler will emotionale Autos bauen

Damit wagt sich Daimler mit seiner Elektrostrategie erstmals tief greifend an seine Oberklasselimousinen. Und weil die Zeiten für die Automobilindustrie so unsicher sind wie lange nicht, werden mit der gesamten EQ-Serie in der Konzernzentrale in Stuttgart-Untertürkheim große Hoffnungen verknüpft. Wie die Daimler-Kunden in dem Segment der Oberklasselimousine den EQS am Ende annehmen werden, bleibt vorerst offen.

Auf der IAA gibt sich Daimler wie auch seine Mitbewerber als grüner, nachhaltiger Autobauer. Wie sich das in der Produktpalette niederschlägt, soll mit der EQS-Studie sichtbarer werden. „Wir müssen weiter emotionale Autos bauen“, sagt Daimlers Entwicklungsvorstand Markus Schäfer. Mit dem EQS gebe es die Möglichkeit, sich im Umbruchprozess „über neue Fahrzeugarchitekturen zu unterhalten“. Das endgültige Aussehen des EQS ist aber offen. Ebenso will sich Ola Källenius nicht darauf festlegen, wann das Auto in die Serienproduktion geht – es werde allerdings nicht lange dauern, betont der Konzernchef.

Absatzzahlen haben sich wieder etwas gebessert

Abgesehen vom grundlegend neuen Design hat der EQS bereits die Produktion verändert. „Er ist der Vorbote einer neuen, rein elektrischen Produktionsplattform“, sagt Markus Schäfer. Damit könnten künftig Wagen des mittleren und oberen Luxussegments gebaut werden. Die Technologie dafür sei bereits verbaut, beispielsweise in den Werken Sindelfingen und in den Vereinigten Staaten. Bisher baut Daimler seine EQ-Fahrzeuge auf Plattformen, auf denen zum Beispiel auch Hybride laufen. Wie es im Oberklassesegment weitergeht und welche Produkte folgen könnten, will Källenius nicht sagen. Es werde aber „Brüder und Schwestern“ des EQS geben.

Die Vorstellung der elektrischen Oberklasselimousine aus dem Hause Daimler fällt in eine nach wie vor angespannte Zeit für das Unternehmen. Nachdem Daimler dieses Jahr bereits mit Absatzschwierigkeiten zu kämpfen hatte und seine Gewinnprognose zweimal nach unten korrigieren musste, haben sich die Absatzzahlen in letzter Zeit zwar etwas verbessert.

Mit Blick auf die Klimaschutzvorschriften der EU zeigt sich Ola Källenius in Frankfurt skeptisch. Der Daimler-Chef ist sich nicht sicher, ob sein Unternehmen die EU-Vorgaben für 2021 erreichen werde. Dafür gebe es zu viel Unsicherheit in den Automärkten. Bis 2021 darf der CO2-Ausstoß der angebotenen Fahrzeugflotte der Autobauer im Schnitt nur noch 95 Gramm pro Kilometer betragen, andernfalls drohen Strafzahlungen an die EU.

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