Erdbeben erschüttern den Balkan Mehr als 100 Verletzte in Albanien

Von Thomas Roser 

Beim stärksten Erdbeben seit über drei Jahrzehnten verlor wie durch ein Wunder niemand sein Leben.

Bei mehreren Erdbeben in Albanien wurden Häuser und Autos zerstörtFoto: AP/dpa/Uncredited

Tirana - Die bebende Erde lässt den Balkan nicht zur Ruhe kommen. Nach Albaniens stärkster Erdbebenserie seit über drei Jahrzehnten verbrachten Tausende verängstigter Menschen die Nacht zum Sonntag im Freien. Bis nach Mitternacht erschütterten mehrere Nachbeben den Adriastaat. Über 100 Menschen wurden verletzt, über 600 Gebäude beschädigt, Autos zerstört: Wie durch und ein Wunder verlor bei den heftigen Erdstößen niemand das Leben.

Unzählige Menschen liefen schon nach den ersten Erdstößen in Panik auf die Straße. In Tirana und Durres wiesen ­Gebäude Risse über mehrere Etagen auf. Kurz nach 16 Uhr schreckte am Samstag das erste Beben mit einer Stärke von 5,8 auf der Richterskala die Bewohner des 2,8-Millionen-Einwohner-Staats auf: Nach Angaben des albanischen Verteidigungsministeriums lag das Zentrum des Bebens sechs Kilometer nördlich der Hafenstadt Durres. Selbst die Nachbeben mit Stärken von bis zu 5,1 waren in den Nachbarstaaten Montenegro und Nordmazedonien zu verspüren.

Schlimme Erinnerungen an 1963 werden wach

Strom- und Wasserfälle wurden vor allem in Tirana, Dürres und weiten Regionen Zentralalbaniens vermeldet. Premier Edi Rama brach wegen des Erdbebens seine Reise zur UN-Vollversammlung nach New York ab und kehrte nach Tirana zurück. Ausdrücklich lobte er bei der Krisensitzung der Regierung die Arbeit der heimischen Rettungsdienste, die „in Echtzeit“ reagiert hätten. Insgesamt 100 stärkere und leichtere Nachbeben bescherten den meisten Albanern eine schlaflose Nacht – und bange Sorgen. Doch eine größere Katastrophe blieb dem Adriastaat erspart. Zum Glück seien die Ölförderungsanlagen des Landes von Beschädigungen verschont geblieben, so Verteidigungsminister Olta Xhacka am Sonntag.

Vor allem in der mazedonischen Hauptstadt Skopje hat der bebende Boden bei älteren Bewohnern traumatische Erinnerungen an die Erdbebenkatastrophe vor über einem halben Jahrhundert wachgerufen. Am 26. Juli 1963 kostete ein verheerendes Erdbeben 1070 Menschen das Leben – und machte das Zentrum Skopjes dem Erdboden gleich: Fast drei Viertel der Bevölkerung der Stadt war hernach obdachlos.

Der Mittelmeerraum zählt zu den ­aktivsten Erdbebenregionen Europas. Doch obwohl erst im Juni ein Beben der Stärke 5,2 die Region um die südostalbanische Stadt Korce erschüttert hatte, war der Adriastaat in den letzten Jahrzehnten von stärkeren Erdstößen weitgehend verschont geblieben.

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