Feinstaub am Neckartor in Stuttgart Neue Busspur bremst Expressbus aus

Von Wolf-Dieter Obst 

Da darf man gespannt sein: Aus Luftreinhaltungsgründen ist am Neckartor in Stuttgart eine neue Busspur eingerichtet worden. Das hat kuriose Folgen: Für den X 1 ist die Expressspur Richtung Bad Cannstatt abgehängt.

Markierungsarbeiten in der Kurve am Neckartor in Stuttgart: Hier fährt jetzt nur noch der Bus. Foto: Lichtgut/Oliver Willikonsky

Stuttgart - Bei Regen und Nässe sind die Markierungsarbeiten etwas mühsam – doch die neue Busspur auf der B 14 kann nichts aufhalten. 300 Meter lang ist die Extraspur zwischen dem Neckartor und der Schwabengarage – seit Samstagmittag haben Autofahrer in Richtung Bad Cannstatt dort nur noch zwei Spuren zur Verfügung. Alles soll der Luftreinhaltung dienen – und alles musste nach einer Weisung des Regierungspräsidiums schnell gehen.

„Zum Glück ist der Untergrund trocken gewesen“, sagt Jürgen Mutz vom städtischen Tiefbauamt zu den Arbeiten, die am Samstagfrüh gegen 5 Uhr begonnen hatten. Arbeiter koppelten die rechte Spur mit einer durchgezogenen Linie ab, brachten sechsmal den Hinweis „Bus“ auf. Jetzt dürfen hier nur noch Linienbusse und Elektroautos fahren. Damit können Autofahrer, die zum Amtsgericht oder ADAC wollen, aber nicht mehr von der B 14 her nach rechts in die Hauffstraße abbiegen.

Die neue Busspur ist umstritten – die Stadt war wegen möglicher Verkehrsprobleme dagegen. Allerdings geht es um die Luftreinhaltung und die Verpflichtung des Landes, den Verkehr an dieser Stelle um 20 Prozent zu reduzieren. So war es bei einem Vergleich am Verwaltungsgericht im Jahr 2016 ausgemacht – und nun soll der Effekt einer Busspur ausgetestet werden. Als Alternative droht ein temporäres Fahrverbot für Diesel mit Euro 5.

Ein Treppenwitz: Expressbus muss in den Stau

Allerdings tut sich nun ein Treppenwitz auf – denn das Problem lauert am Ende der Busspur an der Kreuzung mit der Heilmannstraße: Dort müssen nämlich die X1-Busse von ganz rechts nach ganz links die Fahrspuren wechseln, weil dort die Expresspur der Cannstatter Straße beginnt. Doch die Ampelanlage hat keinen Signalgeber, der dem Bus in der Poleposition ein paar Sekunden Vorsprung geben würde. So lange es diese Busschleuse nicht gibt, muss der X 1-Expressbus also von Montag an ganz normal auf der Cannstatter Straße fahren – und damit mitten im Stau. Die 800 Meter lange Spur ist Richtung Bad Cannstatt vorerst tabu.

Die Kreuzung ist außerdem der Polizei wohl bekannt: Immer wieder werden dort Rotlichtverstöße von Autofahrern registriert. „Bei den Signalanlagen wird es noch Veränderungen geben“, sagt Mutz vom Tiefbauamt, „aber in der Kürze der Zeit hat man das noch nicht programmieren können.“ Nach maximal drei Monaten Testphase will man ohnehin schlauer sein, ob das alles überhaupt zu weniger Feinstaub am Neckartor führt.

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