Feinstaub in Stuttgart Luft im Wohngebiet schlechter als am Neckartor

Von Jan Georg Plavec 

Neue Zahlen aus amtlichen Messungen zeigen, dass im Wohngebiet in Bad Cannstatt über weite Strecken mehr Feinstaub in der Luft ist als am Neckartor – besonders in den Abend- und Nachtstunden.

Im Wohngebiet in Stuttgart-Bad Cannstatt ist die Luft über weite Strecken stärker mit besonders kleinen und damit gefährlichen Feinstaubteilchen belastet als am Neckartor.Foto: dpa

Stuttgart - Im Wohngebiet an der Gnesener Straße in Stuttgart-Bad Cannstatt war die Luft im Winterhalbjahr mehr als die Hälfte der Zeit schlechter als am Neckartor. Das ergeben Zahlen der Landesanstalt für Umwelt (LUBW), die unserer Zeitung vorliegen. Das ist alarmierend, weil es sich um besonders kleine Feinstaubteilchen handelt, die einen geringeren Durchmesser als 2,5 Mikrometer haben und sehr gesundheitsschädlich sind.

Auch die Belastung mit den bis zu 10 Mikrometer großen PM10-Teilchen war über weite Strecken in Bad Cannstatt höher als am Neckartor – und zwar überwiegend in den Abend- und Nachtstunden, wenn die Menschen sich im Wohngebiet aufhalten.

Es ist allerdings unklar, ob sich die Zahlen aus Bad Cannstatt auf andere Stadtbezirke übertragen lassen, weil die LUBW ansonsten nur entlang von Hauptstraßen misst. Zudem ist die Messmethode, auf der die Werte basieren, teilweise ungenau.

Die Zahlen werfen dennoch die Frage auf, ob das Feinstaubproblem vom Tisch ist. Zwar wurden 2018 an der Messstelle beim Neckartor die EU-Grenzwerte erstmals eingehalten. Dass die Luft dort teils besser ist als an den Orten, wo sich wesentlich mehr Menschen lange aufhalten, ist indes neu.

Für das Feinstaubradar unserer Zeitung messen 750 Sensoren in und um Stuttgart permanent die Feinstaubbelastung. Für das Winterhalbjahr lag die mittlere Belastung überall deutlich unter dem EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm, aber teils nahe an den von der Weltgesundheitsorganisation als gerade noch unbedenklich eingestuften 20 Mikrogramm Feinstaub je Kubikmeter Luft.

Eine Studie der Leopoldina hatte jüngst ergeben, dass Feinstaub für die Gesundheit gefährlicher ist als Stickoxide, über die im Zusammenhang mit den Fahrverboten gestritten wird. Die Wissenschaftler bemängelten eine Verengung der Debatte auf Stickoxide.

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