Ferien in Baden-Württemberg Urlaub im Genießerland

Von Bettina Hartmann 

Ferien in Baden-Württemberg liegen im Trend, schützen das Klima – und machen glücklich, kommentiert unsere Redakteurin Bettina Hartmann.

Immer mehr Menschen kommen in den Südwesten, um Urlaub zu machen.Foto: /dpa

Stuttgart - „Nichts entwickelt die Intelligenz wie das Reisen“ – was der französische Schriftsteller Emile Zola im 19. Jahrhundert so schön formulierte, ist inzwischen längst wissenschaftlich belegt. In verschiedensten Studien wurde der Effekt des Reisens untersucht. Das Ergebnis: Die Auszeit vom Alltag entspannt nicht nur, sie macht auch glücklich, kreativ und intelligenter – schon deshalb, weil man neue Erfahrungen sammelt.

Ob die Deutschen, die als Reiseweltmeister gelten, tatsächlich immer schlauer werden, sei dahingestellt. Klar ist: Der Tourismus boomt – auch in Baden-Württemberg. Fast das gesamte Land lockt immer mehr Feriengäste an. Nach Angaben des Statistischen Landesamts sind im ersten Halbjahr 2019 etwa 10,6 Millionen Gäste in den Südwesten gekommen. Das waren knapp 284 000 Gäste oder 2,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Noch deutlicher fällt der Zuwachs bei den Übernachtungszahlen aus: Diese lagen nun bei annähernd 25,8 Millionen – knapp eine Million Übernachtungen oder 3,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. „Ferien in Baden-Württemberg liegen voll im Trend“, kommentierte Tourismusminister Guido Wolf. Vor allem bei den Deutschen ist der Südwesten als Reiseziel beliebt.

Das Angebot wird immer besser

Woran das liegt? Sicherlich an einem verbesserten Angebot. Vermutlich aber vor allem am Zeitgeist. Schreckensnachrichten aus aller Welt verderben vielen die Lust auf Urlaub im Ausland. Und immer mehr Menschen machen sich angesichts der Fridays- for-Future­-Bewegung vor der Buchung von Flugreisen über ihren ökologischen Fußabdruck Gedanken. Zu Recht. „Ferien im Land sind ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz“, sagt denn auch Minister Wolf.

Außerdem: Was macht eigentlich den Reiz des Urlaubs aus? Man muss nicht arbeiten, kann ausschlafen, es sich gut gehen lassen. Das funktioniert auch daheim. Urlaub in Balkonien nannte man das einst. Heute ist von Staycation („stay“ für bleiben, „vacation“ für Ferien) die Rede, was glamouröser klingen soll und auf wohnortnahe Ziele ausgedehnt wurde.

Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Land

Dass gerade Baden-Württemberg bei den Gästezahlen stetig zulegt, wundert nicht. Der Südwesten hat viel zu bieten: Naturerlebnisse, Kultur, Kulinarik – es ist ein Genuss- und Genießerland. Doch Urlauber erwarten heute mehr als eine schöne Gegend­ und gutes Essen­. Sie wollen Flair, Gastfreundschaft – und zugleich ein stimmiges Preis-Leistungsverhältnis. Wer Gäste will, muss sich somit um sie bemühen. Keine Frage, das tut und kann das Land. Allerdings ist die Konkurrenz groß, auch andere Regionen in Deutschland boomen. Wie also gelingt es künftig, Gäste zu locken? Die Landesregierung hat kürzlich ein neues Tourismus-Konzept vorgestellt. Es sieht unter anderem einen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs vor. Zudem soll gegen das Sterben von Gastwirtschaften auf dem Land etwas unternommen werden. Ein guter­ Ansatz. Doch ob das reicht?

Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren im Südwesten – und bietet Wachstumschancen. Der jährliche Umsatz liegt bei 25 Milliarden Euro. Gut 400 000 Menschen leben von ihm, fast doppelt so viele wie von der Autoindustrie. Der Branche dürfen somit nicht die Ideen ausgehen, auch angesichts einer anspruchsvoller und älter werdenden Klientel. Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Klimafreundlichkeit sind die Stichwörter. So kann man Gäste belohnen, die per Bahn anreisen. Kostenlosen Nahverkehr und flächendeckendes 5G vor Ort anbieten. Oder in Hotels und Gaststätten auf Ökostrom und regionale Produkte setzen. Damit das Reisen auch in Zukunft­ noch glücklich und kreativ macht.

bettina.hartmann@stzn.de

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