Flammende Sterne in Ostfildern Sind Feuerwerke wirklich eine Gefahr für die Umwelt?

Von Kai Holoch 

In Ostfildern startet an diesem Freitag das dreitägige Feuerwerksspektakel „Flammende Sterne“. Die Pyrotechnik-Branche wehrt sich derweil gegen Vorwürfe, sie würde dem Klima schaden.

Jürgen Wünsche (links) und Joachim Berner sehen die pyrotechnische Industrie vollkommen zu Unrecht an den Pranger gestellt.Foto: Michael Steinert

Ostfildern - Das ist ein rein populistischer Reflex“, ärgert sich Jürgen Wünsche. Der Organisator des am Freitag beginnenden Feuerwerksfestivals „Flammende Sterne“, sieht sich und seine Branche zu Unrecht an den Pranger gestellt. Seit der Konstanzer Oberbürgermeister Ulrich Burchardt für seine Stadt den Klimanotstand ausgerufen und in der Folge für 2020 das Aus für das Konstanzer Seenachtsfest und das damit verbundene Feuerwerk angekündigt hat, kommt die pyrotechnische Industrie nicht mehr aus den Schlagzeilen.

Dabei geht es nicht mehr ausschließlich um die Silvesterballerei. Auch die von Profis organisierten sommerlichen Großfeuerwerke werden immer mehr hinterfragt. Zwar stehen Bad Waldsee und Ostfildern felsenfest zu ihren von Wünsche organisierten Festivals – in Ostfildern ist der Vertrag gerade um fünf Jahre verlängert worden. Aus Heilbronn jedoch, wo Wünsche ebenfalls ein Feuerwerk organisiert, kam bereits die Absage für das kommende Jahr mit der Begründung, Feuerwerke passten nicht mehr in die Zeit. Auch das Feuerwerk zur Stuttgarter Einkaufsnacht, das Wünsches Partner, Deutschlands wohl bekanntester Pyrotechniker Joachim Berner, seit zwölf Jahren auf dem Dach der Königspassage zündet, ist abgesagt.

Eine ganze Branche werde diskreditiert

Die Begründung, dass man auf diese Weise das Klima schützen wolle, halten Wünsche und Berner unisono „schlicht für absurd“. Hier werde mit durchaus verständlichen Ängsten der Menschen gespielt, ohne dass diejenigen, die Horrorszenarien in die Welt setzten, ernsthaft geprüft hätten, ob diese Bedenken auch tatsächlich gerechtfertigt seien. Die Folge: Eine ganze Branche werde diskreditiert, zahlreiche Arbeitsplätze im Inland, aber auch in Südeuropa und vor allem in Asien seien gefährdet.

Der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI), der Zusammenschluss von 21 pyrotechnischen Firmen in Deutschland, hat zur Versachlichung der Diskussion ein Gutachten bei einer zertifizierten Firma in Finnland in Auftrag gegeben, dessen vollständige Ergebnisse im September vorliegen sollen. Am Rande der Vorbereitungen für die Flammenden Sterne hat Joachim Berner aber schon einmal einige Erkenntnisse präsentiert.

Entstehen nun 5000 Tonnen Feinstaub – oder doch nur zehn Tonnen?

Der bei dem eigentlichen Feuerwerk in Ostfildern entstehende Kohlendioxid-Ausstoß entspreche – bei einer angenommenen Zuschauerzahl von 40 000 Besuchern an den drei Festivaltagen – jener Menge CO2, die entstehen würde, wenn jeder Besucher ein Gramm Holzkohle verbrennen oder drei Gramm Diesel verbrauchen würde. Auch die produzierte Feinstaubmenge sei gering und entspreche pro Besucher dem Qualmen von anderthalb Zigaretten – wobei der Feinstaub in ganz anderer Höhe entstehe und sich dort viel schneller abbaue. Das Landratsamt Heilbronn etwa hat im vergangenen Jahr bestätigt, dass ein Feuerwerk im Sommerhalbjahr „kein immissionsschutzrechtliches Problem“ darstelle. Solche Aussagen decken sich mit Erkenntnissen aus der Schweiz. Dort wurde unter anderem ermittelt, dass alle Feuerwerke des kompletten Jahres soviel CO2 erzeugen wie 50 Kühe auf einer Weide.

Die Deutsche Umwelthilfe, die erklärt, sie beziehe sich auf Angaben des Bundesumweltamts, kommt zu ganz anderen Zahlen. Als die DUH vor kurzem ein Silvesterfeuerwerksverbot in 31 deutschen Städten gefordert hat, sprach die Umweltorganisation von 5000 Tonnen Feinstaub, die alljährlich an Silvester entstehen sollen. Diese Zahl hält der VPI für „utopisch“. Die Zahlen der Umwelthilfe basierten auf Schätzwerten und seien niemals unter realen Bedingungen bewiesen worden. Der Wert, den das VPI-Gutachten ermittelt hat, unterscheidet sich fundamental von den DUH-Werten: Demnach entstehen an Silvester lediglich zehn Tonnen Feinstaub.

Ostfildern bekennt sich zu den Flammenden Sternen

Wenn man es genau nehme, das räumt Jürgen Wünsche ein, dann ist bei Großfeuerwerken der Transport des Feuerwerks zum Abschussort problematischer als das eigentliche Abfeuern der explosiven Ware. „Aber wenn wir damit anfangen, können wir gleich alle Großveranstaltungen verbieten“, sagt Jürgen Wünsche und erinnert an den Aufwand, der für manches Rock-Open-Air-Konzert betrieben werde. „Verglichen mit der Energie, die etwa für ein Konzert von Phil Collins benötigt wird, oder dem CO2-Ausstoß, der bei der Anreise zu einem Bundesligaspiel entsteht, ist ein Feuerwerk wirklich zu vernachlässigen.“

Das sieht auch der Ostfilderner Bürgermeister Rainer Lechner so – und bekennt sich deutlich zur Fortsetzung der Flammenden Sterne. Die beginnen an diesem Freitag, 16. August, mit einem Musikfeuerwerk aus Indien. Am Samstag folgt dann ein Feuerspektakel aus Singapur, am Sonntag eines aus Schweden. Gezündet werden die Feuerwerke gegen 22.15 Uhr.

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