Gegen das Volksbegehren Pro Biene Bauern halten an Pestiziden fest

Von Christoph Link 

Die Verbände der Bauern in Baden-Württemberg legen einen eigenen Zehn-Punkte-Plan für mehr Artenschutz vor. Sie wehren sich gegen das von der Gruppe Pro Biene vorgelegte Volksbegehren – dieses bedrohe Tausende von Betrieben.

Der konsequente Schutz der Biene gefährde die Existenz der baden-württembergischen Landwirte, kritisieren deren Verbände.Foto: picture alliance/Michael Reich

Weinsberg - Die Präsidenten der Landesbauernverbände aus Baden und Württemberg, des Badischen Weinbauernverbandes und des Landesverbandes Erwerbsobstbau warnen eindringlich vor dem laufenden Volksbegehren Pro Biene für mehr Artenschutz. „Sollte das Volksbegehren erfolgreich sein, wäre in unserer ­familienorientierten und kleinbäuerlich strukturierten Landwirtschaft die Zukunft von Tausenden von Betrieben gefährdet“, sagte der Präsident des Landesbauernverbandes, Joachim Rukwied, in Weinsberg. Das Volksbegehren habe „zwar die richtigen Ziele, aber die falschen Maßnahmen“, sagte Rukwied. Es gehe weit über das hinaus, was in Bayern durch das ­dortige Volksbegehren erreicht worden sei. Mit dem Pflan­zenschutz in Schutzgebieten sei Bayern mit seinem Volksbegehren jetzt dort angelangt, wo Baden-Württemberg längst schon angekommen sei.

Besonders betroffen sehen sich die Obst- und Weinbauern im Land, deren Anbaugebiete – etwa der Kaiserstuhl – liegen vielfach in Schutzgebieten. In Baden wird auf 15 000 Hektar Fläche Wein angebaut, in Württemberg auf 13 000 Hektar. Hier verlangen die Aktivisten von Pro Biene eine Schärfung des Verbots von Pflanzenschutzmitteln – wollen aber „im Einzelfall“, dass die Landwirte bei den Naturschutzbehörden Ausnahmegenehmigungen beantragen können. „So was ist überhaupt nicht praktikabel. Sie müssen bei Niederschlägen und Pilzbefall in ein oder zwei Tagen mit der notwendigen Bekämpfung beginnen“, sagte Rukwied. Er befürchtet, dass durch eine Verschärfung der Gesetzeslage die Importe von Agrarprodukten aus EU-Drittstaaten – etwa der Türkei und Südamerika, wo ein höherer Pestizideinsatz gestattet ist – den heimischen Erzeugern das Überleben schwer machen. Dass Kirschen aus dem Markgräflerland im Wettbewerb gegen türkische verlieren, wurde als Beispiel genannt. In der Türkei sei eine bestimmte Säure als Pflanzenschutz erlaubt, hierzulande nicht.

Ins gleiche Horn wie Rukwied stößt Werner Räpple, Chef des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes: „Würde das Volksbegehren umgesetzt, droht uns das Aus von Betrieben. Das totale Pestizidverbot in Schutzgebieten würde ein Drittel der landwirtschaftlichen Fläche in Baden-Württemberg betreffen.“ Räpple betonte, dass die Qualität und die Menge der Ernten ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gar nicht möglich wären. Auf der anderen Seite legt der deutsche Verbraucher Wert auf makellose Qualität: Man könne eine Kiste Kirschen „mit zwei oder drei Maden drin“ gar nicht in Deutschland verkaufen, hieß es in Weinsberg. Laut Räpple ist die Landwirtschaft bereits dabei, alternative Methoden zu chemischen Pflanzenschutzmitteln zu finden, und setzt etwa Lockstoffe – Pheromone – gegen den Traubenwickler ein, aber auch das wolle das Volksbegehren verbieten. Längst im Einsatz seien auch Schlupfwespen beispielsweise gegen den Maiszünsler. Räpple sagte, dass die Landwirtschaft sicher ein Hauptverursacher des Artensterbens sei, nicht aber der alleinige – auch der Verlust an Grünflächen zugunsten von Industrie, Straßen- und Häuserbau trage dazu bei, ebenso immer mehr Lichtquellen.

Front gegen Pro Biene machen auch die Obstbauern. „Im Obstbau sind 3500 Hektar Anbaufläche gefährdet, die in Schutzgebieten liegen“, sagte Franz Josef Müller vom Landesverband Erwerbsobstbau. Kilian Schneider, Präsident des Badischen Weinbauerverbandes, wies darauf hin, dass traditionelle Weinbaugebiete in besonderen Lagen – etwa in Durbach im Ortenau-Kreis oder der gesamte Kaiserstuhl – als Weinbaugebiete gefährdet seien. „Das sind historische Anbaugebiete, die Schutzgebiete kamen erst vor 20 Jahren dazu.“ Es könne sein, dass auf einer Rebfläche vier Schutzgebiete liegen – Biotop, Vogelschutzgebiet, Flora-Fauna-Habitat und Landschaftsschutzgebiet.

Die Verbände legten einen Zehn-Punkte-Plan vor, mit dem sie selbst einen Beitrag gegen das Artensterben leisten wollen. In Form eines Volksantrags soll er dem Landtag in Stuttgart vorgelegt werden, der sich dann damit befassen muss. Gefordert wird unter anderem ein „flächendeckender Erhalt“ der Landwirtschaft im Südwesten. Bundesweit würden täglich 60 Hektar Fläche versiegelt, in Baden-Württemberg seien es fast acht Hektar am Tag. Über die jüngst von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) geäußerte Kritik am Volksbegehren Pro Biene sagte Rukwied: „Ich freue mich darüber, was Kretschmann gesagt hat: Dass Landwirtschaft ohne Pflanzenschutz – auch chemischen – nicht funktioniert.“

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