Interaktives Hafen-Museum Im Herzen von Hamburg

Von Susanne Hamann 

Container verladen und Zollfahnder spielen: Im neuen Museum Discovery Dock können Besucher den ­Hafen der Hansestadt virtuell erleben

Im Discovery Dock entdecken Besucher mit moderner VR-Technologie den Hamburger Hafen. Foto: ico Malonnekk

Hamburg - Der Blick aus der Führerkabine des Portalkrans geht aus schwindelerregender Höhe nach unten. Die Hände umschließen zwei leicht vibrierende Steuerknüppel. Einer bewegt den Kran des Containerterminals vor und zurück, der andere hoch und runter. Der Effekt des Videospiels ist verblüffend. Obwohl man in einem Sessel sitzt, der auf festem Boden steht, stellt sich ein flaues Gefühl in der Magengrube ein. Die Hände werden langsam schweißnass. Verflixt! Gar nicht so einfach, einen der Container zu packen und auf ein Schiff zu verladen. Nach einer gefühlten Ewigkeit ist die Millimeterarbeit endlich geschafft. Stolz zieht die Besucherin die Virtual-Reality-Brille ab.

Das neue Museum Discovery Dock in der Hamburger Hafen-City ist ein multimedialer Abenteuerspielplatz, auf dem man den Hafen der Hansestadt hautnah erlebt. Mithilfe von neuester Technik öffnen sich ungesehene Perspektiven und verschlossene Bereiche. Die Besucher können zum Beispiel neben einer haushohen Schiffsschraube im Trockendock vorbeispazieren, Warenwege verfolgen oder Zollfahnder spielen und Container nach Schmuggelware untersuchen. Virtual Reality – kurz VR – macht’s möglich.

Geschmuggelte Giraffe

Auf einem Röntgenbild sind verdächtige Umrisse zu erkennen: eine Giraffe und ein Nilpferd? Ernsthaft? „Das sind echte Beispiele, die tatsächlich mal in Hamburg vom Zoll entdeckt wurden“, sagt Stefan Fuhr. Der 52-Jährige gehört zu einem Team, das das Museum für die Firma Erlebniswelt DuMont-Media entwickelt hat. Eigentlich arbeitet er als Chef vom Dienst bei der „Hamburger Morgenpost“. Die zum Kölner DuMont Verlag gehörende Zeitung wollte ihr Geschäftsfeld erweitern. So entstand die Idee eines interaktiven Museums, das sich dem Herz von Hamburg widmet: dem Hafen.

„Wir wollten keine Daddelbude, sondern spielerischen Wissenstransfer bieten – für Hamburger und für Touristen“, erklärt Stefan Fuhr. Obwohl viele Menschen die Stadt in erster Linie mit dem Hafen in Verbindung brächten, wüssten nur wenige wirklich Bescheid, was hier passiert. Ein dreidimensionales Modell auf einem Tisch in der Mitte des Hauptraumes zeigt die Ein- und Ausfahrten von Schiffen in Echtzeit. Auf großen Videoscreens kommen verschiedene Menschen zu Wort – vom Kreuzfahrtkapitän über einen Vertreter der Umweltbehörde bis zum Hafenarbeiter.

Prominente Nachbarschaft

Bei der Umsetzung des 3,4 Millionen Euro teuren Projekts half eine Digitalagentur, die Redaktion der Zeitung recherchierte Daten und Fakten. Von der Idee bis zur Eröffnung im Mai dauerte es zwei Jahre. „Am schwierigsten war es, einen Standort zu finden“, erzählt Stefan Fuhr. Entsprechend froh sind die Museums­macher, dass sie durch einen glücklichen Zufall geeignete Räume direkt neben der Elbphilharmonie mieten konnten.

Ein Rundgang durch die Erlebniswelt dauert knapp eine Stunde. Die Stationen sind selbsterklärend, zur Sicherheit steht ein Mitarbeiter, der sogenannte Hafenguide, den Besuchern zur Seite. „Der Rekord beim Containerbeladen liegt übrigens bei vier Sekunden“, sagt Museumsführer Peter Böhmer (34). Her mit der VR-Brille. Bis die nächste Gruppe kommt, ist noch Zeit für einen weiteren Versuch.

Hinkommen, Unterkommen, Rumkommen

Anreise

Mit dem Zug nach Hamburg, www.bahn.de.

Unterkunft

Maritimes Flair versprüht das Hotel 25Hours Hafen-City, in Fußweite zum Museum. Doppelzimmer ab 180 Euro, www.25hours-hotels.com.

Museum

Discovery Dock, Am Kaiserkai 60, Hamburg. Geöffnet täglich von 10 bis 19 Uhr, Eintritt 17,50 Euro, ermäßigt 14,50 Euro. Am besten reserviert man vorab online eine Tour zum gewünschten Zeitpunkt, http://discovery-dock.de.

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