Jobs für Schüler und Studenten Viele Ferienjobs sind vor allem am Band

Von Benjamin Dieterle 

In der Region Stuttgart gibt es diesen Sommer noch Hunderte Stellen für Schüler und Studenten. Die Betriebe suchen Aushilfen in der Produktion, aber auch Rezeptionisten und Telefonisten.

Wer nicht auf eine Tätigkeit fixiert ist – wie etwa in der Montage – hat gute Chance auf einen Ferienjob. In der Gastronomie sind Aushilfen gesucht.Foto: Mauritius

Stuttgart - In der Sommerzeit sind Ferienjobs bei Schüler und Studenten stark gefragt – vor allem bei den großen Unternehmen. Potenzielle Ferienjobber erhoffen sich dort die größte Chance auf eine gute bezahlte Stelle. Doch nicht immer geht dieser Wunsch in Erfüllung, denn vor allem in den Konzernen geht dafür jährlich eine Flut an Bewerbungen ein.

„Eine Ferienbeschäftigung bei Daimler ist sehr attraktiv“, sagt Michael Häberle, Betriebsratsvorsitzender des Mercedes-Benz-Werks Stuttgart-Untertürkheim. „Aus diesem Grund haben wir immer sehr lange Wartelisten und der Bewerbungsprozess ist bereits seit März abgeschlossen.“ Die Entlohnung macht Daimler zu einem begehrten Arbeitgeber. Es gibt Gehaltsdifferenzen unter den verschiedenen Tätigkeiten, jedoch beträgt das Pauschalentgelt rund 2500 Euro brutto. Ferienjobber, die IG-Metall-Mitglied sind, bekämen sogar mehr, sagt Häberle. Pro Monat könnten das bis zu 260 Euro sein.

Unterstützung der Stammbelegschaft

Auch bei bekannten Unternehmen wie etwa dem Ditzinger Maschinenbauer Trumpf sind erfahrungsgemäß schnell alle Plätze vergeben – auch in diesem Jahr, wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilt.

Für junge Leute, die noch auf der Suche nach einer Ferienbeschäftigung sind, gibt es dennoch gute Nachrichten: „Etwa 250 Jobs sind noch in Stuttgart verfügbar“, sagt eine Pressesprecherin der Agentur für Arbeit in Stuttgart.

Vor allem zwischen Mai und September unterstützen Schüler und Studenten in vielen Unternehmen die Stammbelegschaft, die meisten davon in den Sommermonaten, während der Urlaubszeit. Bei Daimler wurden im vergangenen Jahr im Großraum Stuttgart, jeweils rund 5000 Schüler und Studenten in den Mercedes-Benz-Werken Untertürkheim und Sindelfingen beschäftigt. Dieses Jahr bewegen sich die Zahlen in einer ähnlichen Größenordnung. Der Bewerbungsprozess läuft online ab – anders, als bei den Jobs der Mittelständler und Familienbetriebe, die oft alles über die Agentur für Arbeit abwickeln.

Erfahrungen für einen mögliche Berufswahl

Den gesamten Sommer über vermittelt die Agentur insgesamt um die 600 Ferienjobs. Bei den meisten Ferienjobber-Stellen handelt es sich um helfende Tätigkeiten in der Produktion, zum Beispiel Arbeiten am Band, Beschäftigungen als kaufmännische Aushilfen, wie Rezeptionist und Telefonist, sowie das Erfassen von Daten im IT-Bereich. Die Branchen sind unterschiedlich, selbst Krankenkassen stellen Ferienjobber ein. Auch Klinken werben verstärkt um Personal auf Zeit, sagt Gnam. Zudem gebe es auch Promotionsjobs in den Innenstädten. In der Regel dauere eine Anstellung mindestens sechs Wochen, es gäbe auch Ausnahmen. Unter drei Wochen sei aber keine Beschäftigung zu finden, sagt sie.

Bei einigen Jobs werden gewisse Software-Grundkenntnisse erwartet, ansonsten benötigten die Bewerber nur in der Gastronomie und Hotellerie zusätzliche Qualifikationen wie etwa Grundkenntnisse in Englisch. Ein gewisses Interesse an der ausführenden Tätigkeit gilt als Grundvoraussetzung. Gut wäre es, wenn die Schüler und Studenten nicht nur physisch am Ort wären. „Man sollte es als Chance sehen“, sagt Gutierrez Gnam. „So ein Ferienjob ersetzt ja gewissermaßen ein Praktikum und gibt Einblick in eine bestimmte Branche.“ Vor allem für Schüler sei dies eine gute Gelegenheit sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, welchen beruflichen Weg sie einschlagen wollen und einen ersten Einblick zu gewinnen.

Volljährigkeit ist in vielen Branchen Voraussetzung

Die Stundenlöhne in Stuttgart sind über die Jahre gestiegen. Bewegten sie sich früher noch auf Mindestlohnniveau, liegen sie heute für Volljährige im Schnitt bei zehn bis 15 Euro. „Weniger als zehn Euro auf die Stunde – das gibt es in Stuttgart eigentlich nicht mehr.“, sagt Oleg Heintz, Arbeitsvermittler bei der Agentur für Arbeit Stuttgart.

Daniel Ohl, Sprecher des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, sieht die besten Chancen für Bewerber, wenn sie sich direkt bei ihrem bevorzugten Betrieb vorstellig werden, um sich nach einem Ferienjob zu erkundigen. „Generell sind viele Stellen frei, um eine Einstellung muss man sich keine Gedanken machen“, sagt Ohl. Außerdem gebe es in der Branche viele Stellen, bei denen kein aufwendiges Einlernen nötig sei. „Allerdings muss man in dem Job sehr flexibel sein“, sagt Ohl. „Bei schönem Wetter werden in der Gastronomie schlagartig mehr Leute gebraucht.“

Wer volljährig ist, verdient in der Regel mehr als den Mindestlohn, wobei das aber stark von der jeweiligen Tätigkeit abhängt. Überhaupt: Volljährigkeit ist in vielen Branchen Voraussetzung, auch in der Gastronomie, wo teils bis spät in die Nacht gearbeitet wird. Im Vergleich mit der Bezahlung bei Konzernen wie etwa Daimler sind die Unterschiede enorm. Dafür verspricht die Tätigkeit in Gastronomie- oder Hotelbetrieben vielleicht mehr Abwechslung.

Bei der Post Bewerbung bis Ende Juli

Mit der Deutschen Post steht noch ein weiterer Arbeitgeber zur Auswahl. Aktuell sind dort noch circa 50 Arbeitsplätze für Ferienbeschäftigte frei. Gesucht werden Ferienjobber für die Brief- und Paketzustellung, ebenso wie Sortierkräfte. Studenten und Schüler bekommen nach Angaben des Unternehmens dort einen Stundenlohn von mehr als 14 Euro. Bis Ende Juli könne man sich noch bewerben, um eine gute Chance auf eine Anstellung zu haben, heißt es weiter. Zu lange sollte allerdings nicht gewartet werden, da es sich bei dem Arbeitgeber längst um keinen Geheimtipp mehr handelt.

Die Agentur für Arbeit bekommt täglich neue Angebote von Arbeitgebern. „Interessenten kann ich nur empfehlen, kurz bei uns in der Agentur vorbeizukommen“, sagt Heintz. „Idealerweise verlassen sie das Gebäude mit einem Vorstellungsgespräch.“ Man könne eine Anstellung eigentlich garantieren, solange die Studenten und Schüler einfach nur auf der Suche nach irgendeinem Ferienjob sind, so sein Fazit.

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