Judith Hill bei Jazz Open Der Soul hat eine neue Hoffnung

Von Bernd Haasis 

Die Sängerin Judith Hill hat mit Michael Jackson gearbeitet, mit Prince ein Album aufgenommen und nun im Jazzclub Bix gezeigt, dass sie alles mitbringt, was eine große Soul-Diva braucht.

Anmutig und mit einer mächtigen Stimme ausgestattet: Judith Hill am Mittwochabend im Bix Foto: Opus

Stuttgart - Sie trägt das Kleid einer antiken Prinzessin, hat ihr Haar aufgetürmt wie eine Krone und beherrscht die Bühne mit anmutigen Gesten und einer mächtigen Stimme: Judith Hill aus Los Angeles setzt am Mittwochabend den Jazzclub Bix unter Strom – und bestätigt dessen Stellenwert als Ort besonderer Erlebnisse innerhalb des Festivals Jazz Open. Wie eine Reinkarnation der afroamerikanischen R&B- und Soul-Tradition wirkt Hill, die sich die Seele aus dem Leib singt, während sie auf den Spuren von Aretha Franklin und James Brown schmettert, säuselt und klagt.

Nahezu perfekt ist das Auftreten dieser Sängerin, dabei wirkt sie nie aufgesetzt oder gekünstelt. Und das ist vielleicht die größte Kunst von allen: Dem Publikum das Gefühl zu geben, jeder Moment, jede artistische Volte in die höchste Kopfstimme und wieder zurück sei nur für die an diesem Abend Anwesenden bestimmt. Die Besucher im ausverkauften Bix geben Judith Hill die Sympathie zurück, sie singen und klatschen bei jeder kleinen Aufforderung fröhlich mit.

Sie hat mit Michael Jackson und Prince gearbeitet

Die Professionalität kommt nicht von ungefähr, die Tochter einer Japanerin und eines Afroamerikaners wuchs mit Funk und Soul auf, ihre Eltern lernten sich in den 70ern über die Musik kennen. Nun stehen sie beide im Bix mit auf der Bühne: Mutter Michiko spielt umwerfend E-Piano und Hammond-Orgel und hat ein gutes Gespür für Synthesizer-Sounds, Vater Peewee einen fetten funky E-Bass, wie man ihn nicht alle Tage hört. Im Wettstreit um die coolsten Eltern der Welt sind diese beiden ganz vorne dabei. Aus ihrer Generation stammt auch Donnell Spencer jr., ein versierter Schlagzeuger mit hartem Punch. Zwei exzellent eingestellte Background-Sängerinnen sorgen für Akzente an den richtigen Stellen.

Judith Hill ging nach dem Musikstudium 2007 nach Frankreich, um mit Michel Polnareff zu arbeiten, 2009 wählte Michael Jackson sie für seine geplante Tournee aus, vor der er dann starb, und 2013 produzierte Prince ihr Debütalbum „Back in Time“. All diese Mentoren stecken in Hills ausgeklügelter Performance und in ihren kraftvollen, emotionalen Songs, in denen Soul, Funk und Rock zusammenfließen. Mal spielt sie selbst Gitarrenriffs, die direkt aus den späten 60ern sein könnten, mal begleitet sie sich selbst am Flügel und singt herzzerreißende Blues-Balladen. „Egal, welcher Rasse, Hautfarbe oder Religion wir angehören: Lasst uns zusammenstehen!“, ruft beschwörend die Herrscherin über die Bühne, und das Publikum im Bix jubelt. Von dieser Frau wird noch zu hören sein.

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