Kabellos laden Ohne Ladekabel Strom für das Smartphone zapfen

Von Celine Eckl 

Immer mehr Smartphones kann man kabellos aufladen. Was sie über Induktionsfelder wissen sollten.

Induktives Laden ohne Kabel ist bequem, aber es kostet mehr Energie.Foto: Adobe Stock/antic

Stuttgart Die Kopfhörer-Buchse ist schon weg: nur der Anschluss fürs Ladekabel bleibt. Könnten die Smartphones in Zukunft auch ganz ohne Anschluss auskommen? Schon heute können immer mehr Smartphones ohne Kabel geladen werden. Die Stiftung Warentest hat dazu zwanzig Geräte auf ihre Stärken und Schwächen getestet. - Smartphones können immer häufiger mit Hilfe der sogenannten Qi-Technik kabellos geladen werden. Wir stellen diese innovative Technik vor und erläutern die Vor- und Nachteile.

Was ist der derzeitige Standard?

Smartphones haben heute alle einen Anschluss, über den per Ladekabel und Netzstecker der Akku aufgeladen werden kann. Dieser Anschluss variiert von Marke zu Marke. Die EU führte 2011 den Micro-USB als allgemeine Norm ein. Apple widersetzte sich und nutzte stattdessen die sogenannten Lightning-Anschlüsse. Bei diesen befanden sich die Kontaktflächen außen. Das macht den Konnektor etwas stabiler, dafür ist die Buchse fehleranfälliger. Seit rund drei Jahren befindet sich der Anschluss USB Typ C auf dem Vormarsch. Er wird auch bei Laptops verwendet, hat eine längere Lebensdauer und kann mehr Strom liefern als Micro-USB. Positiv: die Lightning- und USB-C-Schnittstellen lassen sich im Gegensatz zum Micro-USB beidseitig verwenden.

Wie funktioniert drahtloses Laden?

Das Smartphone wird auf eine spezielle Ladestation platziert, wo es lädt, ohne dass ein Kabel erforderlich ist. Das Laden funktioniert mit Hilfe von Induktion. Sowohl das Smartphone als auch das Ladegerät müssen eine elektrische Spule enthalten. Der Strom, der durch die Spule im Ladegerät fließt, erzeugt ein Magnetfeld. Wenn die Spule im Smartphone in dieses Magnetfeld bewegt wird, wird die Energie wieder in elektrischen Strom umgewandelt, der dann direkt in den Akku geleitet wird. Diese Technologie für Smartphones wird Qi (sprich: Tschi) genannt und hat sich als einheitliche Technologie durchgesetzt.

Was braucht man, um sein Smartphone drahtlos laden zu können?

Zunächst muss im Smartphone selbst die Qi-Technik eingebaut sein. Das trifft momentan noch auf wenige, vor allem hochpreisige Modelle zu. Es werden aber immer mehr Smartphones – auch im mittleren Preissegment – mit der neuen Technik ausgestattet. Verfügt das Smartphone nicht über diese Funktion, kann mit einer Qi-fähigen Hülle nachgerüstet werden – was wiederum die Nachteile einer dickeren Hülle und eines belegten Anschlusses mit sich bringt. Außerdem benötigt man natürlich ein induktives Ladegerät. Laut Stiftung Warentest bewegen sich diese Ladegeräte in einer Preisspanne von 20 bis 64 Euro. Es gibt sie in flacher oder geneigter Ausführung, eingebaut in Möbel oder in Zukunft auch immer häufiger an öffentlichen Orten. Zum Beispiel sind einige Starbucks Coffeeshops in Amerika bereits mit der Technik ausgestattet. Laut Marcus Pietsch von der Stiftung Warentest sollen in Zukunft auch in Busse und Bahnen Induktionsladeflächen angeboten werden.

Was sind die Vorteile der drahtlosem Ladetechnik?

Zunächst ist das Laden mit einem Induktionsfeld viel komfortabler. Das Smartphone muss lediglich auf das Feld abgelegt werden. Alle induktionsfähigen Geräte nutzen dieselbe Technik. Das bedeutet, in Zukunft ist die Marke des Smartphones beim Laden egal. Die Geräte benötigen keinen bestimmten Anschluss mehr und Schäden an der Ladebuchse durch abgeknickte oder falsch gesteckte Ladekabel werden vermieden. Das Laden wird auch sicherer. Beim Aufladen an öffentlichen Orten konnte bisher über das Kabel schädliche Software aufs Handy aufgespielt werden. Das drahtlose Laden überträgt jedoch ausschließlich Energie, keine Programme.

Welche Nachteile haben die Induktionsfelder beim kabellosen Laden?

Die Induktionslader sind Stromfresser. Ein vollständiger Ladevorgang kostet laut Stiftung Warentest rund 50 Prozent mehr Energie als mit dem Ladekabel. Induktives Laden dauert außerdem länger, teils doppelt so lang. Besonders wenn das Smartphone vollständig aufgeladen weiter aufgelegt bleibt, liegt die Leistungsaufnahme der Ladegeräte bei zwei Watt und mehr. Mit einem Kabel hingegen, wird dann nur noch 0,05 Watt benötigt. Das Smartphone kann während des Ladens nur eingeschränkt genutzt werden. Außerdem sollte es möglichst immer richtig auf der Ladefläche positioniert werden. Liegen die Induktionsspulen von Ladegerät und Handy nicht genau übereinander, kommt nur wenig Energie im Telefon an. Damit sich der Ladevorgang dadurch nicht zu sehr verlängert, gleicht die Ladefläche dies mit bis zu 50 Prozent erhöhter Leistungsaufnahme aus. Das meiste davon verpufft als Wärme. Des Weiteren fand Warentest heraus, dass die meisten Geräte bei Temperaturen über 35 Grad abschalten, um den Akku zu schützen. Danach wird nur noch behutsam weitergeladen, was zu Ladezeiten von über acht Stunden führen kann.

Was bedeutet die Qi-Technik für das Ladeverhalten der Zukunft?

„Wenn sich das induktive Laden durchsetzt, sollte sich das Ladeverhalten der Menschen ändern“, sagt Marcus Pritsch. Anstatt das Smartphone über Nacht auf das Ladegerät zu legen, solle man es tagsüber immer wieder durch Auflegen auf das Ladefeld ein bisschen laden und so den Akkuladestand zwischen 25 und 75 Prozent halten. Das würde auch die Lebenszeit von Akkus enorm steigern, denn gerade die letzten 20 Prozent aufzuladen, mache sowohl dem Ladegerät als auch dem Akku zu schaffen.

Wie könnte die Zukunft aussehen?

Unternehmen wie Energous oder Powermatt werben für das kontaktlose Laden. Das heißt, alle Geräte, die sich in der Nähe des Ladesenders befinden, beginnen ohne Berührung automatisch ihre Akkus zu laden. Die Energie soll – anders als bei der Induktion – über Radiowellen gesendet werden. Marcus Pietsch steht dieser Technik allerdings noch skeptisch gegenüber. In der Physik sei gegeben: Je weiter sich die Geräte voneinander entfernen, desto höher ist der Energiebedarf. Außerdem könne es leicht zu Störungen kommen. Auch mit der heutigen induktiven Qi-Technik könne es gut sein, dass schon bald die ersten Smartphones ganz ohne Anschluss auf den Markt kommen, so Pietsch. „Dann könnte ich mein Smartphone komplett unter Wasser und im Regen nutzen, allerdings wird das Reparieren schwerer.“

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