Kinokritik: Der Boden unter den Füßen Eine Beraterin sieht Gespenster

Von ha 

Die Karriere einer hart arbeitenden Frau gerät in Gefahr, als sie ein Hilferuf ihrer Schwester aus der Psychiatrie erreicht.

Mavie Hörbiger und Valerie Pachner (rechts) in „Der Boden unter den Füßen“Foto: Verleih/

Stuttgart - Die Welt der Unternehmensberater ist brutal – denn hinter Einsparpotenzialen stehen oft Arbeitsplätze und damit Menschenschicksale. Dieses Dilemma bietet sich als Filmstoff an: George Clooney spielte in Jason Reitmans Tragikomödie „Up in the Air“ (2009) einen erfolgreichen Leute-Entlasser, ständig unterwegs und sehr einsam.

Die sich total verausgabende Lola (Valerie Pachner) in „Der Boden unter den Füßen“ hat immerhin ein Verhältnis mit ihrer mondänen Chefin (Mavie Hörbiger), weil sie Zahlen bringt. Beim kleinsten Straucheln aber kreisen die Kollegen wie die Geier über ihr. Hilferufe ihrer Schwester (Pia Hierzegger) aus der Psychiatrie bringen Lola aus dem Tritt – und bald nähren Ungereimtheiten die Befürchtung, dass sie Gespenster sieht.

Zu wenige Sparringspartner

Auch ist Lola eine Entwurzelte ohne ein Leben, doch die Österreicherin Marie Kreuzer gönnt sich keine komödiantische Entlastung: Ihre Protagonistin hetzt vom Flughafen in unwirtliche Büros und austauschbare Hotelzimmer. Oft ist Valerie Pachner allein im Bild, sinnierend, beim Fitnesstraining, die Selbstzweifel in ihr Gesicht geschrieben, die einzigen Sparringspartner sind die Chefin und ein nur kurz präsenter, sehr unangenehmer Schwanzträger.

Sandra Hüllers Optimiererin in „Toni Erdmann“ ringt mit ihrem Querulanten-Vater; Devid Striesow, Sebastian Blomberg und Katharina Schüttler als globalisierte Einsparer in „Zeit der Kannibalen“ rangeln miteinander. Und anders als etwa Christan Petzold in „Yella“ bleibt Kreuzer eine pfiffige Wendung schuldig, was Lolas Wahrnehmungsstörung angeht. Da wäre mehr drin gewesen.

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