Lasst uns über… Schwiegereltern reden Meine Frau, ihre Schwiegereltern und die Suche nach Harmonie

Von Oliviero Lombardi (aufgezeichnet von Sabrina Höbel) 

In vielen Beziehungen endet ein Besuch bei den Schwiegereltern mit Streit. Besonders zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter kommt es häufig zu Konflikten. Paartherapeut Oliviero Lombardi erklärt, warum das nichts Ungewöhnliches ist, und wie man wieder Frieden an den Tisch bringt.

Das Verhältnis von Schwiegermutter und Schwiegertochter ist oft schwierig.Foto: Adobe Stock/Viacheslav Iakobchuk

Stuttgart - Mit den Schwiegereltern gemeinsam am Tisch zu sitzen, ist für viele Paare eine echte Zerreißprobe. Dass es zwischen dem Partner oder der Partnerin und den Schwiegereltern öfter mal kracht, wundert mich aber nicht. Schließlich geht es auf beiden Seiten um den wichtigsten Menschen im Leben: Für die Eltern um ihr geliebtes Kind und für den Partner oder die Partnerin um die Person, mit der man alt werden möchte.

Viele Eltern glauben, dass sie genau wissen, wer am besten zu ihrem Kind passt. Oftmals haben sie gar die Einstellung „Keiner ist gut genug“. Davon lassen sich Sohn oder Tochter natürlich beeinflussen. Vielleicht schauen sie nun ebenfalls kritischer auf ihren Partner. Dazu kommt noch ein bekanntes psychologisches Phänomen: Hatte der Sohn beispielsweise eine dominante Mutter, sucht er sich vermutlich auch eine dominante Frau. Und jetzt stelle man sich mal die Situation am Tisch vor. Eine Mutter, die alles besser weiß, eine Schwiegertochter, die alles besser weiß und dazwischen der Sohn, der es eigentlich allen recht machen will – da sind Spannungen vorprogrammiert.

Meiste Konflikte zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter

Auch Väter stellen hohe Ansprüche an den Partner der Tochter, ganz gemäß dem Klischee: „Wenn meine Tochter in die Pubertät kommt, dann kaufe ich mir ein Jagdgewehr.“ Tatsächlich gibt es aber zwischen der Schwiegermutter und der Partnerin des Sohnes viel häufiger Konflikte. Zum einen liegt das daran, dass meistens die Beziehung des Kindes zur Mutter stärker ausgeprägt ist als die zum Vater.

Das kann so weit gehen, dass das Kind eine Art Partnerersatz für die Mutter ist. Wenn die Beziehung der Eltern irgendwann flacher wird, konzentrieren sich viele nur noch auf den Nachwuchs. Nicht mehr der Ehemann, sondern zum Beispiel der Sohn ist dann die wichtigste Person im Leben der Mutter. Die Paarbeziehung wird dabei immer schlechter. Verlässt das Kind schließlich das Haus, passiert oft Schlimmes zwischen den Eltern: Trennung, Krise, das Gefühl von Sinnlosigkeit.

Ist nie jemand gut genug für die Eltern, sollte man sich distanzieren

Wenn dann noch der geliebte Sohn eine Frau mit nach Hause bringt, wird’s besonders haarig. Die zwei Frauen treten nämlich oftmals in Konkurrenz. Ein klassisches Beispiel: Beim gemeinsamen Essen stochert die Schwiegertochter verhalten in ihrem Teller herum. Dahinter steckt allerdings nicht, dass es ihr nicht schmeckt. Vielmehr schlägt ihr das ewige „Mama, keine kocht besser als du“ ihres Mannes auf den Magen.

Um Harmonie zu erlangen, ist Zusammenhalt unter den Partnern wichtig. Aber viele Kinder sind schon seit der Jugend auf Loyalität gegenüber den Eltern getrimmt, denn dann werden sie geliebt. Den Großteil des Lebens verbringt man aber in der Beziehung, nicht mit den Eltern. Deshalb liegt es am Kind, den Eltern Grenzen zu setzen und für Klarheit zu sorgen. Merkt man, dass es ein grundsätzlicher Vorbehalt der Schwiegereltern ist, dass nie jemand gut genug ist, dann macht es Sinn, sich von den Vorstellungen der Eltern zu distanzieren. Man lebt besser nach seinen eigenen Maßstäben und sollte die Eltern dazu anhalten, das zu akzeptieren.

Verständnis und Wertschätzung sind Schlüsselelemente

In den meisten Fällen kann man mit offenen Gesprächen aber viel retten. Verständnis und Wertschätzung sind hierbei Schlüsselelemente. Menschen gehen grundsätzlich immer von sich aus, etwas anderes ist auch zunächst gar nicht möglich. Um einen Konflikt zu entschärfen sollte man aber Akzeptanz üben und verstehen, warum sich das Gegenüber so verhält, wie es das tut. Dass die Schwiegermutter vermutlich gar kein Problem mit der Partnerin des Sohnes hat, sondern einfach Angst, ihn zu verlieren. Dass die Ehefrau des Sohnes nicht unhöflich ist, sondern sich abgewertet fühlt. So schafft man den Schwenk von Verlustängsten hin zu der Erkenntnis, dass man jemanden zur Familie dazugewinnt.

Wenn der Partner also mal wieder am Tisch die Kochkünste der Schwiegermama lobt, sollte die Frau nicht wütend werden, sondern besser sagen: „Ja, gut das wird dich haben, Mutter.“

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