Nie ohne mein Fahrrad Typologie der Zweirad-Enthusiasten

Von dane 

Sie gehen sogar mit Helm schlafen, schwören auf Bauchmuskeltraining in voller Fahrt oder sind selbst auf dem Drahtesel nur im Doppelpack anzutreffen - eine freilich absolut ernst gemeinte Typenbeschreibung der Fahrrad fahrenden Spezies.

Niemals ohne meinen Helm, lautet das Motto des ängstlichen Kann-immer-was-passieren-Radlers. Foto: Shutterstock/Aarin Amat

Fahrradfahren liegt voll im Trend. Nicht nur in den deutschen Großstädten passiert angesichts von Stau, Stickoxid und Stress etwas in den Köpfen. Das Bike wird als fahrbarer Untersatz immer populärer. Manche Drahtesel-Junkies sind bei anderen Verkehrsteilnehmern oder gar ihresgleichen allerdings weniger beliebt. Ihre Schrullen können - bei friedlich stimmendem Sonnenlicht betrachtet - aber durchaus etwas Liebenswertes haben. Eine kleine, völlig unvollständige, Radler-Typologie.

Der Kurzzeitige

Hier fehlt das alltägliche Training, zumindest hat es den Anschein. "Der Kurzzeitige" wankt und wackelt auf seinem Rad, dass es anderen Verkehrsteilnehmern angst und bange wird. Lediglich Uhrzeit und Büro-Outfit lassen darauf schließen, dass seine Schlangenlinien nichts mit dem Bier von gestern zu tun haben. Ihn zu überholen erfordert Schneid. Der Drahtesel-Dilettant radelt in der Regel nur bei schönem Wetter zur Arbeit, vor allem im Frühjahr und im Sommer anzutreffen.

Der Kurzatmige

Rad und Dress signalisieren deutlich: ich bin sowas von bereit für einen schnellen Spurt ins Büro. Doch denkste. Bei der ersten Abfahrt malträtiert "der Kurzatmige" seine Bremsen derart, dass nachfolgende Radler es ihm nur gleich tun können, um eine Kollision gerade noch zu vermeiden. Geht es dagegen leicht bergauf, keucht er als habe er eine verschleppte Bronchitis und hebt sich stöhnend aus dem Sattel. Oft sind die Bikes des "Kurzatmigen" nicht voll verkehrssicher ausgestattet – ein klarer Fall für den Korrekten.

Der Korrekte

Er zeigt schon drei Seitenstraßen vorher das Abbiegen an. Klingelt vor Überholmanövern meilenweit im Voraus. Und ermahnt an der Ampel nachfolgende Radler, die kurz zuvor einen Fehler gemacht, ein defektes Rücklicht und eine quietschende Kette haben. "Der Korrekte" trägt selbstverständlich Helm und bei schlechtem Wetter Regenkleidung, die selbst bei einem Monsun gut sichtbar wäre. Sein Gepäck ist sicher in Multifunktionstaschen verstaut. Er mag manchmal wie ein Streber wirken, der frisch den Fahrradführerschein gemacht hat. Aber er beherzigt die ADFC-Regeln zur Verkehrssicherheit und schaut sich zum Beispiel auch um, bevor er die Spur wechselt.

Der "Kann-so-viel-passieren"

Seine Kinder erblicken quasi bereits mit Fahrradhelm das Licht der Welt. Der "Kann-so-viel-passieren" geht dem Nachwuchs natürlich stets mit gutem Beispiel voran. Welches Rad der Ängstliche auch fährt - dieser Typ sieht im Fahrrad eine Höllenmaschine, die er nur mit extremen Vorsichts-Maßnahmen im Zaum halten kann. Außerdem weiß dieser Mensch, dass die Welt voller Barbaren ist, die ihm schaden können, wenn er es nur zulässt – was er natürlich nicht zu tun gedenkt. Daher beobachtet er andere Verkehrsteilnehmer stets mit Argus-Augen.

Der Kamikaze

Der Kontrast zum ängstlichen Typ könnte nicht größer sein. Der zweite Vorname des "Kamikaze"-Radlers lautet Risiko. Wo bleibt denn sonst bitteschön der Spaß? Klar, dass er am liebsten gegen die vorgegebene Richtung fährt und bei Rot über die Kreuzung. Auf Regeln im Straßenverkehr pfeift er. Sieht er sich doch als Individualisten und Lonesome-Cowboy auf seinem stählernen Ross. Doch wehe einer wagt es, ihn von dort herunterzuholen und ihm die Leviten zu lesen. Dann wird der Kamikaze Typ sehr schnell sehr frech. Dies ist ein freies Land für freie Bürger, wer will mich stoppen? Niemand, ganz recht, dazu ist der Kami auch viel zu schnell – und leider überall, was das sich Fortbewegen für alle anderen Verkehrsteilnehmer recht ungemütlich macht.

Der Kopffüßler

Dann gibt es natürlich noch den Typus, der sich nicht mit einem einfachen Fahrrad zufrieden gibt. Er will mehr, er will beim Radeln liegen. Ergo bastelt sich "der Kopffüßler" – oder lässt basteln – ein Geschoss zusammen, das ihm erlaubt, in der Horizontalen vorwärts zu kommen. Die Wirbelsäule dankt es ihm, das ist klar, aber auch die Mitmenschen haben etwas von seiner Show. Er ist eben hip, so hip, dass man es kaum aushält und mit ihm eigentlich auch nicht tauschen will. Wer will denn schon die Abgase direkt aus dem Auspuff inhalieren, wenn es weiter oben, in Sitzposition, auch etwas verfeinstaublicht geht?

Der Kinderkonvoi

Bislang sind wohl die wenigsten Fahrradwege mehrspurig (kommt noch). Fahrradwegbreite Anhänger sind daher ein ewiges Ärgernis, weil Hindernis. Für alle Beteiligten. Wegen des Gewichts der lieben Kleinen im Fahrradanhängsel ist auch das Tempo meist gedrosselt. Es sei denn Papi oder Mami haben Waden aus Stahl. Überholen is aber nicht - siehe eingangs erwähntes Problem. Da Minis laut den Erzeugern immer Vorfahrt haben, rückt der Kinderkonvoi-Vertreter freilich keinen fingerbreit von seinem Weg ab. Da hilft nur lächeln und bei günstiger Gelegenheit vorbeimogeln.

Der "Kann-nur-zu-Zweit"

Was gibt es Schöneres, als mit dem Schatz am Sonntag gemeinsam die Landstraße unsicher zu machen? Das eingeschworene Tandem-Team wird darauf - freilich synchron - "nichts" antworten und sich dabei verliebt lächelnd in die Augen schauen. Wohl besser so bei den Turteltäubchen, dass sie hinter statt nebeneinander radeln. Das Händchen halten während der Fahrt wäre kaum auszuhalten für Zuschauer und obendrein auf Radwegen nicht gerade Platz sparend. "Wo bleibt beim Strampeln im selben Takt die Eigenständigkeit?", mag beim Tandem-Anblick der Individualist schrill kreischen. "Ach lass sie doch", beschwichtigt der Tolerante. Das Fahrraddoppel bekommt hingegen von dem ganzen Trubel um es herum gar nichts mit. Sie radeln - getreu dem Motto "wohin du fährst, will auch ich hinfahren" - gemeinsam in den Sonnenuntergang. 

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