Offensive im Klimaschutz Kuhn macht Stuttgart grüner – und sich selbst auch

Von Josef Schunder 

Der OB der Landeshauptstadt legt ein weiteres Aktionsprogramm vor. Und diesmal besetzt er wirklich ein Themenfeld. Ihn beim Klimaschutz noch einmal einzuholen, wird für seine Gegenspieler schwierig, kommentiert Josef Schunder.

Fritz Kuhn will die Maßnahmen zum Klimaschutz beschleunigen.Foto:  

Stuttgart - Da hat Fritz Kuhn wahrlich nicht gekleckert. 200 Millionen Euro will er zusätzlich ausgeben, um die Stadt grüner und hitzebeständiger zu machen. Damit macht er auch gleich sich selbst grüner. So deutlich hatte er nämlich noch nicht demonstriert, dass er aus der früheren Ökopartei kommt und danach handelt. Nachhaltige Mobilität, Aufrüstung der grünen Infrastruktur, Tarifreform beim Nahverkehr, urbane Energiewende: Da war manches in dem Sinn enthalten, aber sehr versteckt. Den Klimaschutz hätte er schon früher stärker bearbeiten können. Immerhin trifft er jetzt umso mehr den Nerv der Menschen.

An Geld fehlt es der Stadt wahrlich nicht

Ein gutes Jahr vor der OB-Wahl besetzt Kuhn zum ersten Mal so klar ein Thema als Platzhirsch im Rathaus. Damit bietet er Gegenspielern in CDU und SPD Paroli, die sich schon ziemlich lang gegen ihn profilieren wollen. Ihn beim Klimaschutz noch einmal einzuholen, wird aber schwer. Klar: Klimawandel-Leugner etwa im AfD-Spektrum könnten über ihn herfallen. Die Konservativen könnten Verbotsexzesse an die Wand malen, weil er Heizpilze und Kurzflüge abschaffen will. Das eine oder andere ist vielleicht auch Populismus mit Blick auf die Klimaaktivisten, der Grundsatz aber richtig. Und je mehr das konservative Lager ihn attackieren sollte, desto mehr würde es die eigenen Defizite bei Klimaschutz, zeitgemäßer Verkehrspolitik und modernem Städtebau vorführen.

An Geld fehlt es auch nicht. Die gewaltigen Rücklagen drohen den Finanzplanern ja fast über den Kopf zu wachsen. Und einige Fraktionen haben auch schon mutig über 150 Millionen für den Wohnungsbau verfügt. Eine Sorge bleibt aber: dass die Verwaltung sich nun noch mehr zu Tode plant und zu Tode koordiniert, das Handeln versäumt. Jetzt auch noch in einer Stabsstelle Klimaschutz.

josef.schunder@stzn.de

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