Personalabbau bei Zulieferern Schwieriger Spagat

Von Imelda Flaig 

Massiver Jobabbau in der Zulieferbranche kann nicht die Antwort auf den Strukturwandel sein. Etliche Firmen haben Nachholbedarf und müssen längst überfällige Zukunftsstrategien entwickeln, meint Redakteurin Imelda Flaig.

Viele Zulieferer wollen Arbeitsplätze reduzieren – darunter auch Mann+Hummel. Unser Foto zeigt einen Mitarbeiter bei der Fertigung von Gehäusen für Ölmodule.Foto: picture alliance / Marijan Murat

Stuttgart - Auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen – der Verbrennungsmotor im Pkw dürfte seine besten Zeiten hinter sich haben. Freilich, noch ist die Zahl der E-Autos hierzulande gering, aber die Branche setzt sich zunehmend unter Strom. Für die Autobauer und Zulieferer ist das ein schwieriger Spagat, denn einerseits müssen sie hohe verlustreiche Investitionen stemmen, um bei neuen Technologien rund um E-Mobilität und Vernetzung zum Zuge zu kommen. Andererseits schmelzen die Gewinne aus dem traditionellen Geschäft immer weiter ab. Erschwerend hinzu kommt die nachlassende Konjunktur, sodass bei vielen Firmen die Aufträge einbrechen.

Vor allem Lieferanten mit traditionellen Produkten rund um den Verbrennungsmotor und kleinere Zulieferer sind die Verlierer. Elektroautos bestehen aus weit weniger Teilen – brauchen etwa keine Einspritzpumpen, Kolben, Nockenwellen oder Turbolader. Die Wertschöpfung eines E-Autos liegt etwa ein Drittel niedriger – weshalb auch weniger Jobs benötigt werden. Zudem fehlt vielen Zulieferern eine Zukunftsstrategie.

Kostendruck gehört zum Tagesgeschäft

Selbst bei den Großen stehen viele Jobs auf der Kippe. Beispiel Bosch: Die Rückgänge beim Diesel kosten zwar Arbeitsplätze, gleichzeitig aber entstehen in neuen Technologiefeldern neue Stellen. Und wer weiß, vielleicht geht Boschs Rechnung auf, dass Dieselstandorte wie Homburg, Bamberg und Feuerbach einmal Produkte für die Brennstoffzelle liefern. Ansätze dafür gibt es bereits, auch wenn sich damit das wegbrechende Geschäft nicht ansatzweise kompensieren lässt. Ein Hoffnungsschimmer ist das allemal.

Damit möglichst wenige Mitarbeiter beim Strukturwandel unter die Räder kommen, sind Ideen und zukunftstaugliche Strategien gefragt. Die Befürchtung vieler Beschäftigter, dass manches Unternehmen die turbulenten Zeiten nutzt, um Versäumnisse der Vergangenheit wettzumachen, ist nicht von der Hand zu weisen. Kostendruck ist kein schlagendes Argument für Arbeitsplatzabbau, denn der gehört bei den Zulieferern, die um neue Aufträge kämpfen, zum Tagesgeschäft. Eines ist jetzt schon sicher: Die Branche geht stürmischen Zeiten entgegen, denn die Mitarbeiter werden Abbaupläne nicht kampflos hinnehmen.

Artikel teilen