„The Tampon Book“ Stuttgarterinnen räumen mit Tampon-Buch bei Clio-Awards ab

Von Chiara Sterk 

Um gegen die steuerliche Diskriminierung von Hygieneprodukten vorzugehen, haben zwei Stuttgarter Unternehmerinnen ein Buch herausgebracht – „The Tampon Book“. Das ist nicht nur in ihrem Online-Shop erfolgreich, sondern hat ihnen auch viele Preise eingebracht.

Das sind die beiden Gründerinnen von The Female Company: Ann-Sophie Claus (links) und Sinja Stadelmaier. Foto: The Female Company

Stuttgart - Hygieneprodukte wie Tampons und Binden gelten fachlich immer noch als Luxusartikel und werden höher besteuert als beispielsweise Kaviar, Trüffel, Champagner oder Öl-Gemälde. Das kann nicht sein, haben zwei Stuttgarter Unternehmerinnen beschlossen – und daraufhin Tampons im Buch verkauft. Das Buch hat nun beim Clio Award Ende September ordentlich abgeräumt.

Fünf mal Gold, drei mal Silber und eine Shortlistplatzierung gab es bei den Clio Awards für „The Tampon Book“, das die beiden Stuttgarterinnen Ann-Sophie Claus und Sinja Stadelmaier von The Female Company produziert haben. Die Clio Awards sind Medienpreise, die seit 1960 jährlich von der US-amerikanischen Prometheus Global Media vergeben werden. Das Buch haben die beiden mit der Agentur Scholz & Friends zusammen konzipiert. Damit ist es die am meisten prämierte Kampagne bei den Clio Awards.

Das Buch als Zeichen für die hohe Besteuerung von Hygieneprodukten

„Wir wollten ein Zeichen gegen die in Deutschland gültige Mehrwertsteuer von 19 Prozent für Tampons setzen und um die Tampon-Steuer zu umgehen, haben wir ein Buch lanciert, das mit 15 Bio-Tampons gefüllt ist“, erzählt Ann-Sophie Claus, wie es zum Buch kam. Denn das umgeht die hohe Besteuerung der Hygieneprodukte, da Bücher nur mit sieben Prozent besteuert werden – und klärt außerdem über die Periode auf. Das Buch kam an: „Wir hätten nie damit gerechnet, dass die Reaktionen und Medienberichte so positiv werden und dass die erste Auflage des deutschen Tampon Buchs nach zwei Tagen ausverkauft sein würde“, erzählt Gründerin Claus Stolz.

Doch The Female Company verkauft nicht nur das Tampon-Buch. Angefangen haben die beiden Stuttgarterinnen bei ihrer Gründung 2018 mit Tampons, Slipeinlagen und Binden – in Bio-Qualität. Die Produkte können auch im Abo bestellt werden. Dann werden pro Abo Hygieneprodukte an Frauen in Indien gespendet. Zu kaufen gibt’s die Produkte sowie das Buch derzeit sogar im Online-Shop des Drogeriemarkt dm. Aber nur für eine begrenzte Zeit.

„Das Tabu um das Thema Periode muss weg“

Außerdem wollen Claus und Stadelmaier das Thema Periode enttabuisieren: „Wir machen zum Beispiel eine „Schau mal, was da unten los ist“-Box für junge Mädchen und verpacken unsere Bio-Tampons in bunte Designboxen.“ Und auch auf ihrem Instagram-Account wollen die zwei das Tabu rund um die Periode brechen. Sie rufen etwa dazu auf, Münder zu fotografieren und einzuschicken, die in ihrer Form an die weibliche Vagina erinnern.

Die Idee zu ihrer Firma The Female Company kam den beiden bei einer Reise durch Indien: „Wir haben dort miterlebt, welche gesellschaftlichen Auswirkungen ein Tabu wie die Periode haben kann.“ Claus erinnert sich: „Wenn Frauen und Mädchen dort ihre Periode haben, dürfen sie nicht in heilige Stätten oder zur Schule gehen.“ Und auch zurück in Deutschland ließ die beiden das Thema nicht los: „Auch hier ist der Umgang mit der Periode noch nicht komplett ‚normal’“, erklärt Claus und fügt hinzu: „Viele verstecken Tampons in der Faust, wenn sie auf die Toilette gehen und viele junge Mädchen können kaum über ihre Periode sprechen.“

Linke und CDU/CSU sprachen sich für Senkung aus

Auf ihrem Instagram-Kanal haben die Unternehmerinnen außerdem die Petition zweier Aktivistinnen zur Steuersenkung unterstützt. „Gesetze werden aber nicht bei Instagram geändert“, weiß Claus. „Deshalb haben wir im April 100 Tampon Books in den Bundestag geschickt“, erzählt Claus. „Daraufhin wurden wir von verschiedenen Parteien persönlich eingeladen, um über die Senkung der Tampon-Steuer zu sprechen.“ Im Mai 2019 reichte Die Linke nach dem Gespräch tatsächlich einen Antrag zur Senkung der Tampon-Steuer im Bundestag ein und auch die Arbeitsgruppe Finanzen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat sich für die Abschaffung der Tampon-Steuer ausgesprochen.

Nun wird im Oktober im Bundestag beraten, wie man mit dem Thema weiter umgeht. „Wir sind sehr stolz, was dahingehend bereits passiert ist und hoffen natürlich auf die Senkung“, fasst Claus zusammen. Dass etwas passiert, kündigte Bundesfinanzminister Olaf Scholz erst vergangenen Freitag an und sprach sich für eine Senkung der Tampon-Steuer aus. Wenn es nach ihm geht, soll die Änderung ins Jahressteuergesetz eingefügt werden, über das der Bundestag aktuell berät – und bereits zum neuen Jahr in Kraft treten.

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