Trauerbewältigung Wo trauernde Kinder Trost finden

Von Annette Frühauf 

Am Samstag ist Welthospiztag – Anlass, einen Blick von Stuttgart nach Karlsruhe zu werfen. Auf dem dortigen Hauptfriedhof gibt es ein spezielles Trauerfeld für Kinder.

Ein Vater trägt seinen Sohn auf den Schultern – Holzskulptur im Karlsruher Trauergarten.Foto: / Frühauf

Stuttgart - Stirbt der Vater, die Mutter, ein Geschwisterkind, stellt sich das Leben der Betroffenen auf den Kopf – die Welt gerät aus allen Fugen, weiß Barbara Kieferle-Stotz, Initiatorin des einzigartigen „Spielplatzes“ des Karlsruher Hauptfriedhofs. Das Familiengefüge droht zu zerbrechen. In einer solchen Notsituation reagieren Freunde und Mitschüler oft verunsichert und ziehen sich zurück.

Michaela Müller, Leiterin des stationären Kinder- und Jugendhospizes in Stuttgart, hat die Erfahrung gemacht, dass der Kummer bei jüngeren Menschen oftmals in Schüben kommt: „Die Kinder zeigen dabei heftige Reaktionen. Kurz darauf lachen sie wieder.“

Michaela Müller hat sich das Angebot zur Trauerbewältigung in Karlsruhe angeschaut. Inmitten der bunten Spielgeräte steht eine Holzskulptur: Ein Vater trägt sein Kind auf den Schultern – eine Szene aus einer heilen Kinderwelt. Jenseits der Holzbrücke, die diese heile Welt von der Welt der Trauernden trennt, stehen ein zubetonierter Sandkasten und eine starre Schaukel – Symbol dafür, dass sich etwas Grundlegendes verändert hat. Dort stehen auch Sätze von betroffenen Kindern: „Bei der letzten Klassenfahrt war ich die Spaßbremse“ oder: „Seit mein Papa gestorben ist, habe ich Angst, dass auch meiner Mama was passiert.“ Birgit Böhm vom Hospiz bringt es auf den Punkt: „Diese Karlsruher ,Kinderwelten‘ sind ergreifend. Es ist ein Spielplatz, auf dem gespielt wird, der aber gleichzeitig die Erinnerungen und Erfahrungen der Kinder beschreibt, die den Tod eines Elternteils oder Geschwisterkindes erleben mussten. Es ist ein Nebeneinander von Leben und Tod.“

Trauerräume auf dem Stuttgarter Pragfriedhof

Wer sich darauf einlässt, spürt die Hilflosigkeit der Betroffenen und ihre Rufe nach Unterstützung. „Kinder sollen in Begleitung sein und nicht alleingelassen werden, wenn sie in die ‚Trauerwelt‘ gehen“, rät Barbara Kieferle-Stotz und bietet in Karlsruhe Führungen für Gruppen und Schulklassen an.

Seit 20 Jahren engagiert sie sich in der Trauerhilfe. Das Konzept für einen kindgerechten Trauergarten hat sie schon lange im Kopf gehabt. Von der Idee bis zur Eröffnung der „Kinderwelten“ hat es allerdings einige Zeit gedauert. „Freunde, eine Karlsruher Pfarrerin und zahlreiche Einzelspender haben rund 44 000 Euro für die Finanzierung gesammelt. Auch die Stadt Karlsruhe hat sich finanziell engagiert. Heute sind die „Kinderwelten“ im Hauptfriedhof nicht mehr wegzudenken und gleichermaßen offen für spielende wie für trauernde Kinder.

Barbara Kieferle-Stotz hat auch das Konzept und die Texte der Trauerräume auf dem Stuttgarter Pragfriedhof entwickelt, die vor neun Jahren eröffnet wurden. Dort ist auch eine Ausstellung zu sehen: „Einblicke – Kinder zeigen ihre Trauer“. Ehrenamtliche stehen als Ansprechpartner zur Verfügung. Die Trauerräume sind dienstags und donnerstags von 13 bis 15 Uhr geöffnet.

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