Trickbetrüger in Stuttgart Falscher Polizist geht in die Falle

Von Wolf-Dieter Obst 

In Stuttgart klingeln derzeit die Telefone heiß. Am anderen Ende: angebliche Polizisten, die es auf die Ersparnisse älterer Leute abgesehen haben. Nun gibt es einen Geldkurier weniger.

Der Polizei ist im Kampf gegen Betrügerbanden die Festnahme eines Verdächtigen gelungen.Foto: dpa/Boris Roessler

Stuttgart - Eine 67-jährige Stuttgarterin ist schon drauf und dran gewesen, mehrere Zehntausend Euro an falsche Polizisten zu übergeben. Doch zum Glück holte sie sich Rat bei einem Bekannten – und die Polizei erledigte den Rest. Wie am Mittwoch bekannt wurde, ist ein Kurier der falschen Polizisten den echten Beamten ins Netz gegangen. Er sitzt seit Dienstag in Untersuchungshaft. Der 22-Jährige ist für die Ermittler ein Lehrbeispiel für die Arbeitsweise der Hintermänner bei der millionenschweren Betrugsmasche.

Die auf den Fildern wohnhafte Frau war bereits in der vergangenen Woche in die Fänge der betrügerischen Anrufer geraten. Ein vermeintlicher Beamter erklärte ihr, dass ein Einbrecher in der Nachbarschaft unterwegs sei und sie ihre Ersparnisse in Sicherheit bringen müsse. Die 67-Jährige glaubte dem Anrufer und hob an Geldautomaten mehrere Beträge ab – zusammen mehr als 10 000 Euro. Die Täter hatten mit dieser Anweisung darauf geachtet, dass kein misstrauischer Bankmitarbeiter dazwischenfunken kann.

Das Opfer soll noch was drauflegen

Dann aber, inzwischen war es Montag, wollte die angebliche Polizei eine noch höhere Summe haben. Die Frau, die das Geld vom Wochenende noch gar nicht übergeben hatte, sollte jetzt noch mehr drauflegen. Inzwischen sollten es noch mal um die 50 000 Euro sein. Der 67-Jährigen kamen zum Glück nun doch Zweifel. Sie suchte Rat bei einem Bekannten. Dem kam das ebenfalls verdächtig vor – und so erstattete die Frau Anzeige auf dem Möhringer Revier.

Die echte Polizei reagierte sofort. Beamte der Kriminalpolizei, des Landeskriminalamts und Einsatzkräfte des Mobilen Einsatzkommandos des Polizeipräsidiums Einsatz legten eine Falle für die Täter aus – und die schnappte am Montag in den späten Abendstunden auch zu. Der Anrufer hatte die 67-Jährige angewiesen, das Bargeld in einer Tüte vor der Haustür abzulegen. Als der Abholer dann gegen 22.50 Uhr die Tüte holen wollte, klickten die Handschellen.

Woher die Täter kommen

Die Betrugsmasche mit den falschen Polizisten wird vorrangig von Callcentern in der Türkei aus betrieben. In Izmir, Antalya und Istanbul sind schon solche Anrufzentralen ausgehoben worden. Die türkischen Hinterleute bauen bei ihren Beutezügen aber nicht ausschließlich auf ihre Landsleute – anders als beim Enkeltrick, bei dem die Beteiligten nahezu ausschließlich aus den Reihen eines Familienclans einer ethnischen Minderheit rekrutiert werden.

Die Abholer des Geldes sind die letzten in der Kette – mit dem größten Risiko erwischt zu werden. Die Hintermänner, so heißt es in Ermittlerkreisen, suchten sich dabei auch über Facebook sozial schwache Leute, die selber Geld brauchten. „Die Abholer sind deshalb ethnisch bunt gemischt“, wissen die Spezialisten bei der Kripo.

Die Welle rollt weiter

So sieht es auch im jüngsten Fall aus: Bei dem Festgenommenen handelt es sich um einen jungen Syrer, der von den türkischen Hinterleuten in einer Flüchtlingsunterkunft im Rems-Murr-Kreis rekrutiert wurde. „Der 22-Jährige ist polizeilich ein unbeschriebenes Blatt gewesen“, sagt Polizeisprecherin Monika Ackermann. Keine Straftaten bisher. Am Dienstag landete er vor dem Haftrichter, der ihn hinter Gitter schickte. Die Ermittlungen über seine Logistiker, die ihn zum Opfer chauffierten, dauern an.

Die Festnahme wird die Organisation der falschen Polizisten kaum beeindrucken. Der Verlust der Abholer ist ohnehin eingepreist. Die Betrüger machen jedenfalls ungerührt weiter. „Allein am Dienstag hat es im Stuttgarter Stadtgebiet mindestens 60 neue Anrufe gegeben“, stellt Polizeisprecherin Ackermann fest. Eine Welle, die von der Polizei auch für den Mittwoch befürchtet wurde.

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