Überfischung von Haien Das blutige Geschäft mit Haifischflossen

Von Markus Brauer/dpa 

Haie und Rochen wachsen langsam und haben wenig Junge. Deshalb ist Überfischung eine große Gefahr. Der Appetit auf die Flossen in Asien heizt das Geschäft an. Aber auch Europäer sind unter den größten Fangnationen, geht aus einem neuen Bericht hervor.

Ein Arbeiter sammelt im chinesischen Hongkong Haifischflossen, die auf dem Dach einer Fabrikhalle getrocknet wurden. Foto: Kin Cheung/AP/dpa

Genf - Der chinesische Stadtstaat Hongkong ist nach einem neuen Bericht der Artenschutzorganisation Traffic der mit Abstand größte Importeur von Haifischflossen. Der vielfach verpönte Verzehr von Flossen als Delikatesse vor allem in Asien heize den Markt mit den teils vom Aussterben bedrohten Hai- und Rochen-Arten an, berichtet die Organisation, die sich für nachhaltigen Handel einsetzt, am Mittwoch.

Spanien habe hinter Indonesien und vor Indien die zweitgrößte Haifischerei weltweit. Auf der Liste der Top 20 steht aus Europa auch Frankreich auf Platz 13.

Umstrittenes Geschäft mit Haien

Das Geschäft mit Haien ist umstritten. Anders als Kabeljau und andere Fischarten vermehren sich Haie nur langsam und werden deshalb besonders hart von Überfischung getroffen. Die Weibchen werden in der Regel erst ab 18 Jahren geschlechtsreif und haben nur alle paar Jahre wenige Junge.

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Die Weltnaturschutzunion IUCN schätzt, dass ein Viertel aller Hai- und Rochenarten vom Aussterben bedroht ist. Auch in Deutschland wird Haifisch in Geschäften und Restaurants noch angeboten. Tierschützer verlangen, sämtliche Produkte aus dem Angebot zu nehmen.

Hongkong ist größter Importeur von Haiflossen

Zwischen 2000 und 2016 wurden jährlich im Durchschnitt gut 16 000 Tonnen Flossen importiert, berichtet Traffic. Der Wert habe bei fast 300 Millionen Dollar (271 Millionen Euro) im Jahr gelegen.

Hongkong war mit Abstand der größte Importeur, gefolgt von Malaysia, China und Singapur. Zusammen machen die vier Länder rund 90 Prozent der Importe aus. Bei Hai- und Rochenfleisch waren zwischen 2008 und 2017 Brasilien, Spanien, Uruguay und Italien die größten Importeure.

Fangmenge von Haien und Rochen stark gesunken

Weltweit sei die Fangmenge von Haien und Rochen seit dem Jahr 2000 um etwa 14 Prozent gesunken, auf 750 000 Tonnen weltweit, berichtet Traffic. Ob das an einem Rückgang der Bestände liegt, ob Länder ihre Fänge weniger gut dokumentieren oder ob es andere Gründe gibt, konnte die Organisation nicht sagen.

„Wir brauchen dringend Maßnahmen im Kampf gegen die Überfischung und den Mangel an präzisen Fangdaten und Handelsinformationen“, meint Koautorin Nicola Okes.

Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO werden jährlich 700 000 bis 800 000 Tonnen Knorpelfische aus den Meeren geholt, das meiste davon als Beifang der industriellen Fangflotten. Rund 60 Prozent dieser 70 bis 100 Millionen Fische sind Haie, 40 Prozent Rochen. Ganz oben auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Fische stehen der Tigerhai, der Hammerhai und der Weiße Hai.

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Haie – Manager des Ökosystems

Haie würden wie alle großen Raubtiere als Manager des Ökosystems gelten und seien für das Gleichgewicht unerlässlich, sagt der Meeresbiologe Ralf Sonntag aus Wedel in Schleswig-Holstein. Sie regulierten die Zahl der mittelgroßen Raubfische, die sonst die kleineren Arten völlig auffressen würden.

Haie sind aber auch ein wichtiger Faktor für den Erhalt von Korallenriffen. Forscher der University of Western Australia in Perth haben herausgefunden, dass die großen Raubfische eine Schlüsselrolle in dem Ökosystem spielen.

Demnach ernähren sich die Haie von kleineren Raubfischen, die ansonsten pflanzenfressende Riffbewohner fressen würden. Diese wiederum fressen Algen und schützen so vor allem junge Korallen davor, überwuchert zu werden. Den Forschern zufolge erholen sich Korallenriffe schneller, wenn es dort eine große Population an Haien gibt.

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Handeln mit Haien erschwert

Erst Ende August wurde bei der 18. Cites-Artenschutzkonferenz in Genf das Fischen und der Handel mit 18 Arten von Makohaien und Gitarrenrochen erschwert. Nach den Regeln des Washingtoner Artenschutzabkommens (Cites) müssen Länder, in deren Gewässern gefischt wird, Bestandsdaten erheben.

Die Meerestiere dürfen nur noch gefischt und gehandelt werden, wenn ihr Bestand nachweislich dadurch nicht gefährdet wird. Insgesamt werden inzwischen mehr als drei Dutzend Hai- und Rochenarten durch Cites besser geschützt.

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