Studie zum Weltraumlift Mit dem Aufzug von der Erde zum Mond

Von Markus Brauer 

Die Idee eines Weltraumlifts spukt schon seit langem in den Köpfen von Wissenschaftlern und Science-Fiction-Autoren. Zwei Wissenschaftler haben jetzt eine Studie vorgelegt, wie die Idee mit Hilfe eines rund 322 000 Kilometer langen Kabels funktionieren könnte.

Künstlerische Darstellung eines Weltraumliftes der US-Weltraumbehörde Nasa. Foto: Nasa/Pat Rawlings

Cambrigde - Mit dem Aufzug von der Erde zum Mond? Ist das technisch möglich oder Fantasterei? Die beiden Astrophysiker Zephyr Penoyre und Emily Sandson von den Eliteuniversitäten Cambridge in Großbritannien und der Columbia University in den USA beschreiben in einer neuen Studie eine Methode, ein rund 322 000 Kilometer langes Kabel zum Erdtrabanten zu installieren. Die Verbindung soll von der Mondoberfläche bis in das Gravitationsfeld der Erde reichen.

Space Elevator

Der Weltraum-Lift (englisch: Space Elevator) funktioniert – zumindest in der Theorie – ohne Raketenantrieb entlang eines gespannten Führungsseils zwischen einer Basisstation am Äquator und einer Raumstation hinter dem geostationären Orbit in fast 36 000 Kilometer Höhe.

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Die konkurrierenden Kräfte der auf der Erde stärkeren Gravitation und am oberen Ende stärkeren Fliehkraft sollen das Seil spannen und ein selbst- oder fremdangetriebener Lift eine Nutzlast heben oder in beide Richtungen befördern.

Mit dem Lift statt Rakete zum Mond

Die beiden Forscher sind der festen Überzeugung, dass der Weltraum-Aufzug sehr viel effizienter und kostengünstiger wäre als konventionelle Reisen mit Raketen. Angetrieben werden könnte der Mond-Lift mit Hilfe von Sonnenenergie. Diese gibt es im Weltall bekanntlich im Überfluss und dazu noch gratis.

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Kosten sind überschaubar

Die Kosten für das ambitionierte Projekt seien überschaubar, schreiben Zephyr Penoyre und Emily Sandson in ihrer Studie. Es sei im Rahmen der Möglichkeiten „eines besonders motivierten Milliardärs“, so die Forscher gegenüber der britischen Zeitung „Observer“.

Die Wissenschaftler berechneten, dass die einfachste Version des Aufzugs ein Kabel ist, das dünner als ein Bleistift sein soll und knapp 40 Tonnen wiegt. Das wäre im Rahmen der Nutzlast künftiger Raketen, wie etwa die „Big Falcon Rocket“ von SpaceX, die es zum Mond transportieren könnten.

Wie die Forscher weiter schreiben, waren sie selbst überrascht, wie plausibel ihre Berechnungen sind.

Idee existiert seit 1895

Der Erste, der die Idee eines Space Elevators austüftelte, war der russische Weltraumpionier Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski. Inspiriert vom Pariser Eiffelturm erdachte er einen 35 786 Kilometer hohen Turm in den Weltraum.

1959 schlug der sowjetische Wissenschaftler Juri Arzutanow vor, ein Seil von einem geostationären Satelliten herabzulassen. Von 2005 bis 2009 organisierten die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa und die Spaceward Stiftung „Elevator:2010-Wettbewerbe“.

Der Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke – Verfasser des Science-Fiction-Klassikers „2001: Odysee im Weltraum“ – entwickelte die Idee in seinem Roman „Fahrstuhl zu den Sternen“ („The Fountains of Paradise“) weiter. Darin beschriebt er den Bau eines „Orbitalturms“ im 22. Jahrhundert, der Nutzlasten in die Erdumlaufbahn befördern soll, ohne auf Raketenantriebe zurückgreifen zu müssen.

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