VfB Stuttgart Dennis Aogo und die Zeit der Ungewissheit

Von Carlos Ubina 

Dennis Aogo weiß nicht, ob es für ihn beim VfB Stuttgart weitergeht. Doch der Mittelfeldspieler lässt sich nicht davon beirren, dass sein Vertrag beim abstiegsbedrohten Fußball-Bundesligisten ausläuft.

Dennis Aogo will für den VfB Stuttgart am Ball bleiben. Seine Zukunft ist jedochungeklärt.Foto: Baumann

Stuttgart - Dennis Aogo freut sich. Auf Stadion und Stimmung. Schließlich hat der 32-jährige Mittelfeldspieler den FC Schalke 04 ja in guter Erinnerung behalten. Obwohl er in der Schlussphase seines Engagements in Gelsenkirchen auf das Abstellgleis gerutscht war. Nun schaut Aogo mit dem VfB Stuttgart am Samstag (15.30 Uhr) auf dem Berger Feld vorbei und blickt durchaus differenziert auf seine Vergangenheit. „Da ich ein Spieler bin, der bisher immer längere Zeit bei seinen Vereinen verbracht hat, ist es fast zwangsläufig, dass es mal gute und mal schlechte Zeiten gegeben hat“, sagt der Fußballprofi.

Vier Jahre lang war Aogo auf Schalke tätig, davor jeweils fünf beim Hamburger SV und SC Freiburg. Da kommt eine Menge an Erfahrungen zusammen. Und jetzt sind es schon wieder fast zwei komplette Spielzeiten in der emotionalen Achterbahn beim VfB. Wie es für den Defensivmann sportlich weitergeht, ist jedoch unklar. In zweifacher Hinsicht: Die Stuttgarter kämpfen um den Klassenverbleib in der Bundesliga, und Aogos Vertrag läuft am Saisonende aus.

Gutes Gefühl dank Nico Willig

Allerdings hat es sich der frühere Nationalspieler abgewöhnt, zu viel zu grübeln – weder über die Gesamtlage seines Arbeitgebers noch über die persönliche Situation. „Das nimmt nur Ressourcen“, sagt Aogo. Was jedoch nicht heißt, dass er sich keine Gedanken macht. Im Gegenteil. Aogo beschreibt sich selbst als einen Typen, der „wissbegierig ist und Entwicklungen hinterfragt“. Im Laufe seiner mittlerweile 15-jährigen Profikarriere hat er jedoch gelernt, sich auf die Faktoren zu fokussieren, die er direkt beeinflussen kann.

Sich in Form bringen und Energie in das Team stecken. Gerade jetzt, da es in die Relegation geht. Da zählt für ihn auch der letzte Eindruck vor den beiden Entscheidungsspielen gegen den Dritten der zweiten Liga. „Wir wissen, dass die Relegation sehr wichtig für den Verein, die Stadt und die ganze Region ist“, sagt Aogo. Zudem weiß er, dass die Mannschaft ein gutes Gefühl braucht, um zu bestehen. Mit Nico Willig hat es sich eingestellt. In drei Spielen gab es unter dem Interimstrainer zwei Siege. Das lässt die Anhängerschaft hoffen, Aogo bringt es gar so weit, die Zweifel, die den VfB schon länger begleiten, beiseitezuschieben: „Ich fühle mich momentan nicht wie in einer Krise.“

Vielmehr glaubt Aogo an die große Chance, die verkorkste Saison noch zu einem versöhnlichen Ende bringen zu können. Damit wäre die Zeit der Ungewissheit passé. Denn mit dem Sportchef Thomas Hitzlsperger hat er vereinbart, dass sie über seine weitere Zukunft reden, wenn die nahe Zukunft des VfB geregelt ist. „Dafür habe ich vollstes Verständnis“, sagt Aogo. Wie Andreas Beck, dessen Vertrag ebenfalls ausläuft und der aktuell verletzt ist, verspürt er keine Unruhe, wenn er warten muss. Er kennt das ja schon.

Die Familie fühlt sich in Stuttgart wohl

Im August 2017 verpflichtete der damalige Manager Michael Reschke Aogo als Stabilisator. Nach Wochen ohne Club, einer individuellen Sommervorbereitung und einigen anderen Anfragen passte das schwäbische Paket für den Familienmenschen am besten. Die Aogos fühlen sich in Stuttgart auch nach wie vor sehr wohl. „Ich kann mir gut vorstellen, hier weitere zwei Jahre zu bleiben und mitzuhelfen, dieses spannende Projekt voranzubringen“, sagt der Mittelfeldspieler. Als „Optimalfall“ bezeichnet er diese Option gar, fügt jedoch an: „Vorausgesetzt, meine Qualitäten sind gefragt.“

Das wird die große Frage sein, wenn Hitzlsperger und der Sportdirektor Sven Mislintat das Personalpuzzle komplettieren. Mit dem Rückkehrer Orel Mangala (HSV) und der Neuverpflichtung Atakan Karazor (Holstein Kiel) – zwei junge Konkurrenten für das Mittelfeld. Als Anzeichen dafür, dass die etablierten Kräfte in ihren alten Rollen ausgedient haben könnten, lassen sich diese Personalien interpretieren. Das betrifft neben Aogo natürlich Christian Gentner. Dessen Vertrag endet ebenfalls im Juni, und zuletzt hatte der 33-Jährige nach dem 3:0 gegen den VfL Wolfsburg in ungewohnter Manier öffentlich kundgetan, dass ihm „einige Sachen auf den Sack gehen“.

Im Verein hat man diese Aussage auch auf Gentners nach wie vor ungeklärte Zukunft bezogen. Der Kapitän muss sich wie Aogo und Beck gedulden, sehnt sich als ein VfB-Gesicht aber offenbar nach einem Bekenntnis zu seiner Person. Eine Frage der Wertschätzung scheint das – jedoch nicht für Aogo. Der ablösefreie Routinier kann sich damit anfreunden, gegebenenfalls einen neuen Club zu suchen: „Ich bin wieder in sehr guter Verfassung und verspüre noch sehr große Lust auf Fußball.“

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