VfB Stuttgart Der Kampf um die besten Plätze

Von Heiko Hinrichsen und Gerhard Pfisterer 

Der Kader der Stuttgarter ist so üppig bestückt, dass nur wenige Spieler wie etwa der Mittelfeldmann Gonzalo Castro bisher ihren Platz sicher haben. Wir haben den Konkurrenzkampf beim VfB durchleuchtet.

Gonzalo Castro (32) konnte die Erwartungen in Stuttgart bislang noch nicht voll erfüllen. Noch bis 2021 steht er beim VfB unter Vertrag. Foto: Baumann

Stuttgart - Für den VfB Stuttgart steht an diesem Samstag (13 Uhr) mit dem Auftritt bei Jahn Regensburg das erste Pflichtspiel nach dem Ende der Sommer-Transferperiode auf dem Programm. Der Kader ist gut gefüllt, was allein der Umstand zeigt, dass am Dienstagvormittag zum Start in die Trainingswoche mehr als 20 Spieler unter der Leitung des Cheftrainers Tim Walter trainierten, obwohl die A- und Junioren-Nationalspieler des Clubs wie etwa die beiden Argentinier Nicolas Gonzalez und Santiago Ascacibar zu diesem Zeitpunkt noch fehlten.

Auch in dieser Woche ließ Walter seine Profis zum Aufgalopp wieder in drei Gruppen getrennt nach Mannschaftsteilen trainieren. Auge um Auge heißt es dann für die direkten Konkurrenten in Abwehr, in Mittelfeld und Angriff, wo der Chefcoach auch ohne die beiden Langzeitverletzten Sasa Kalajdzic und Marcin Kaminski jeweils diverse Optionen ziehen kann.

Jede der drei Gruppen bekam wie gewohnt einen Torhüter zugeteilt. Hier sind die Rollen bereits klar verteilt: Gregor Kobel ist die Stammkraft, Fabian Bredlow ist der erste Herausforderer – und Jens Grahl die Nummer drei. Anderenorts sind die Plätze in der Startelf hingegen um einiges umkämpfter.

Die Abwehr

Immerhin sind auch zwei Plätze in der Viererkette bereits fest vergeben, sofern Marc Oliver Kempf und Pascal Stenzel fit sind. Dabei ist der Rechtsverteidiger Stenzel der einzige Spieler im VfB-Kader, dem auf seiner Position kein direkter Konkurrent im Nacken sitzt. Fest in der Anfangsformation verankert ist auch der neuen Kapitän Kempf, der inzwischen seine Muskelverletzung auskuriert hat.

Der Innenverteidiger hat beim Drei-Ligen-Cup in Großaspach am vergangenen Freitag bereits wieder Spielpraxis gesammelt – und wird daher in Regensburg auf der linken Position des Abwehrzentrums auflaufen. Um die Position des zweiten Innenverteidigers führen der Engländer Nat Phillips und der gebürtige Memminger Holger Badstuber einen Wettstreit auf Augenhöhe. In der Zweikampfführung sowie in Sachen Spielverständnis oder Mut zum Risiko sind beide in etwa gleich stark.

Während Badstuber im Stellungsspiel, in puncto Erfahrung und bei seinen oft zentimetergenauen Diagonalbällen punktet, ist Phillips in der Spieleröffnung variabler und in den Sprintduellen deutlich besser – der Antritt auf den ersten Metern ist die große Achillesferse im Spiel seines deutschen Rivalen Badstuber.

Maxime Awoudja, der junge Neuzugang vom FC Bayern II, hat dieser Tage zwar seinen Einstand im U-21-Nationalteam von Bundestrainer Stefan Kuntz gegeben – in der stallinternen VfB-Hierarchie ist er bei den Innenverteidigern allerdings die Nummer vier, und soll nicht zuletzt wegen seinem Eigentor und späterem Gelb-Rot bei seinem Profieinstand gegen Hannover 96 nun behutsam aufgebaut werden.

Bei den Linksverteidigern hatte zum Saisonstart der junge Borna Sosa die Nase im Duell mit Emiliano Insua vorne, obwohl Letzterer inzwischen der dienstälteste VfB-Profi ist. Doch die Gemengelage hat sich zuletzt zugunsten von Insua verschoben. Sosa war gegen Bochum nach seinem unberechtigten Platzverweis von Aue gesperrt, während der Argentinier ein passables Spiel ablieferte. Zudem kehrt der junge Kroate erst an diesem Mittwoch von seiner U-21-Länderspielreise heim, sodass das Rennen hinten links mit Blick auf Regensburg offen ist.

Das Mittelfeld

Der Konkurrenzkampf in diesem Mannschaftsteil ist zurzeit der heißeste. Es gibt nach der Verpflichtung von Philipp Förster sieben Kandidaten mit veritablen Startelfambitionen für vier Plätze. Der flexibel einsetzbare Neuzugang vom Ligakonkurrenten SV Sandhausen kann theoretisch auf allen davon spielen und sein Ziel ist es auch, über kurz oder lang Teil der Anfangsformation zu sein.

Atakan Karazor als Mann für den defensiven Part vor der Abwehr und der Vizekapitän Daniel Didavi als Mann für den offensiven Part hinter den Sturmspitzen haben bis jetzt alle Spiele über 90 Minuten bestritten. Doch der Druck auf sie wächst, sich zu steigern, um ihre Plätze zu behaupten. Denn es ist nicht nur in Philipp Förster ein neuer Konkurrent auf den Plan getreten, sondern es sind zudem auch Philipp Klement sowie Orel Mangala wieder fit.

Förster, Klement und Mangala sind auch Kandidaten für die Halbpositionen in der Raute. Gesetzt ist und bleibt dort zunächst einmal Gonzalo Castro, der bis jetzt 538 von 540 Pflichtspielminuten in dieser Saison in der zweiten Liga sowie im DFB-Pokal absolviert hat und dabei einer der konstantesten VfB-Spieler war.

Nummer sieben in der Mittelfeld-Verlosung ist Santiago Ascacibar. Bis zum Ende der Sommer-Transferperiode am vorvergangenen Montag stand ein Abgang zur Debatte, mit Betis Sevilla gab es konkrete Verhandlungen, doch der anvisierte Wechsel zerschlug sich. Im Heimspiel an jenem Tag gegen den VfL Bochum (2:1) fehlte er dann aus disziplinarischen Gründen im Kader. Er wird es nach der Rückkehr von seiner Länderspielreise von der argentinischen U 23 erst einmal schwer haben, wieder in die Mannschaft zu kommen.

Der Sturm

Einen Torgaranten wie Simon Terodde gibt es beim zweiten Projekt Wiederaufstieg nach der Spielzeit 2016/17 nicht. Der 1,92-Meter-Mann wurde seinerzeit mit 25 Treffern Torschützenkönig und führte die Stuttgarter als VfB-Spieler der Saison damit zur Zweitligameisterschaft.

Die Tore verteilen sich heuer auf mehrere Schultern, wobei Nicolas Gonzalez zurzeit trifft und trifft. Der junge Argentinier hat nach einer sehr durchwachsenen Premierensaison in Stuttgart, als er sich schon den Ruf als Chancentod erarbeitet hatte, das volle Vertrauen des neuen VfB-Trainers Tim Walter und einen Lauf. Er hat seinen Platz im Angriff bis auf Weiteres sicher, wenn er fit ist.

Gute Aussichten, neben ihm aufzulaufen, hat Silas Wamangituka. Der erst 19-jährige Neuzugang vom französischen Zweitligisten Paris FC war mit einer Ablösesumme von acht Millionen Euro der mit Abstand teuerste VfB-Zugang in diesem Sommer. Mit seiner unbekümmerten Spielweise war der dribbelfreudige Kongolese schon bei seinem Debüt in Aue und dann auch bei seiner Startelfpremiere gegen den VfL Bochum ein belebendes Element. Wamangituka eroberte spontan die Herzen der Fans, wenngleich er in Sachen Effektivität noch Defizite hat. „Der soll das so spielen, das wollen wir ihm gar nicht nehmen“, sagt Trainer Tim Walter.

Altmeister Mario Gomez sollte man jedoch nicht abschreiben, dem Ex-Nationalspieler ist immer noch alles zuzutrauen. Hamadi Al Ghaddioui ist die solide Alternative in der Hinterhand, er hat immerhin auch schon zwei Pflichtspieltore in dieser Saison aufzuweisen. Mateo Klimowicz lauert ebenfalls auf weitere Chancen, die das 19-jährige Talent vornehmlich als Joker bekommen dürfte.

Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie: Dies ist der Spielerkader des VfB Stuttgart.

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