VfB Stuttgart Endo und Wamangituka – warum Sven Mislintat weiter am VfB-Kader bastelt

Von Dirk Preiß 

Drei Pflichtspiele hat der VfB Stuttgart schon recht erfolgreich absolviert in dieser Saison. Sven Mislintat, der Sportdirektor, hat dennoch noch einmal nachgebessert. Warum eigentlich?

Fototermine für Sven Mislintat, den Sportdirektor des VfB Stuttgart: Erst mit Wataru Endo (li.), dann mit Silas Wamangituka.Foto: VfB

Stuttgart - Beschweren kann sich ja keiner über den Saisonstart des VfB Stuttgart. Von den beiden absolvierten Partien in der zweiten Liga hat der Absteiger eines gewonnen und eines 2:2 gespielt – gegen die hoch gehandelten Konkurrenten aus Hannover und Heidenheim. Im Pokal ist seit Montag (1:0 in Rostock) die Teilnahme an der zweiten Runde gesichert. Der neue Spielstil gefällt – und es gibt auch kaum jemanden, der dem zusammengestellten Personal nicht zutraut, den Wiederaufstieg im ersten Anlauf zu packen. Dennoch ist der Baumeister kräftig am weiterbasteln.

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Am Dienstag jedenfalls sah man schon am Morgen ein neues Gesicht auf dem Trainingsplatz des VfB: Wataru Endo traf erstmals auf seine neuen Kollegen. Und an diesem Mittwoch wird es das nächste Aufeinandertreffen geben. Dann wird sich Silas Wamangituka das rote Trainingsshirt überstreifen. Nimmt man die Rückkehrer und die aufgerückten Spieler hinzu, hat Sven Mislintat, der Sportdirektor des VfB, in den vergangenen Tagen also die Neuzugänge 16, 17 und 18 klargemacht. Aber warum eigentlich?

Da ist zum einen die Personalie Nathaniel Phillips. Den Engländer hat der VfB in der vergangenen Woche vom FC Liverpool ausgeliehen – und damit auf die Verletzung von Marcin Kaminski reagiert. Der Pole hatte sich im ersten Saisonspiel das Kreuzband gerissen.

Wataru Endo kann mehrere Positionen spielen

Anders liegt der Fall bei Wataru Endo. Der japanische Nationalspieler gilt als Defensiv-Allrounder, der zuletzt beim belgischen Erstligisten VV St. Truiden im zen­tralen Mittelfeld agiert hat. Hier hat der VfB seit Montag zwar auch eine Verletzung zu beklagen (Orel Mangala), diese ist aber weit glimpflicher als bei Kaminski – und es gab schon im bisherigen Kader Alternativen. Mislintat wollte sich dennoch absichern – in mehreren Bereichen. „Innenverteidiger, Sechser, Achter, Rechtsverteidiger“, zählte er auf, unterstrich damit Endos Vielseitigkeit und sagte: „So einen Spieler hast du total gern im Kader.“ Wobei Tim Walter da etwas eindimensionaler denkt.

„Für mich“, widersprach der Trainer dem Sportdirektor, „ist er ein klarer Sechser.“ Für alle anderen Positionen, meinte Walter, sei der Japaner (1,78 Meter) zu klein. Mehr wollte der Coach zunächst nicht sagen über seinen neuen Mann, schließlich müsse er sich erst einmal selbst ein Bild von Endo machen – um den sich Mislintat nach eigener Aussage schon längere Zeit bemüht hatte.

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Der Sportdirektor sieht den Japaner vor allem auch als eine Absicherung auf der Position rechts hinten, wo Pascal Stenzel bislang ohne gestandenen Konkurrenten seinen Dienst verrichtet. Langfristig soll Roberto Massimo, einst Offensivoption, in diese Rolle hineinwachsen. Durch die Verpflichtung Endos (einjährige Leihe mit anschließender Kaufoption) ist dieser Entwicklung aber der zeitliche Druck genommen. Auch Silas Wamangituka muss nicht gleich Bäume ausreißen.

Silas Wamangituka ist der teuerste Zugang des Sommers

Der Wechsel des Stürmers vom französischen Zweitligisten Paris FC zum VfB wurde am frühen Dienstagnachmittag als perfekt gemeldet – nur wenige Stunden also nachdem sich Mislintat noch in einer „klaren Außenseiterrolle“ im Werben um das Talent aus dem Kongo gesehen hatte. Zu diesem Zeitpunkt aber war der 19-Jährige längst in Stuttgart, wo er einen Fünfjahresvertrag ohne Ausstiegsklausel unterschrieben hat.

Als einen „jungen, sehr talentierten Stürmer“ beschrieb Mislintat später den Nachwuchsangreifer, der auch von anderen Clubs umworben worden ist. Allen voran vom FC Schalke 04 und dessen Sportdirektor Michael Reschke, dem früheren Sportvorstand des VfB. Schlussendlich habe er sich für Stuttgart entschieden, „weil mich der sportliche Weg, den mir Sven Mislintat aufgezeigt hat, überzeugt“, sagte der 1,89 Meter große Stürmer, der nun der teuerste Einkauf dieses Sommers ist beim VfB. Der Club zahlte rund acht Millionen Euro für den Kongolesen, für dessen Verpflichtung die sportliche Leitung des Absteigers gute Gründe sah.

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In Mario Gomez, Hamadi Al Ghaddioui und nun wieder Nicolas Gonzalez stehen zwar waschechte Stürmer im Kader. Chadrac Akolo aber hat den Club verlassen, bei Anastasios Donis ist dies noch möglich, und Neuzugang Sasa Kalajdzic fällt mit einer sehr schweren Knieverletzung bis ins kommende Frühjahr hinein aus.

Inklusive der Verletzten umfasst der VfB-Kader nun 29 Spieler – weshalb Baumeister Mislintat das Justieren nun wohl erst einmal einstellen wird, zumindest was Neuzugänge angeht. Obwohl er bis 2. September noch weiterbasteln dürfte.

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