Volleyball – Allianz MTV Stuttgart Kapitänin Deborah van Daelen geht von Bord

Von Jochen Klingovsky 

Der Aderlass bei Volleyball-Meister Allianz MTV Stuttgart geht weiter: Warum auch die Niederländerin Deborah van Daelen ihre Karriere beendet.

Gibt den Ton an: Kapitänin Deborah van Daelen hat es sichtlich genossen, bei der Titelfeier kräftig auf die Pauke zu hauen.Foto: Baumann

Stuttgart - Eine gute Kapitän geht voran. Immer. Also schnappte sich Deborah van Daelen (30) nach dem Gewinn der Meisterschaft eine große Trommel und startete die Jubel-Polonaise der Stuttgarter Volleyballerinnen. Und bei der Titelfeier gab sie ebenfalls den Ton an. Was die Niederländerin da schon wusste, aber noch nicht offiziell bestätigen wollte: auch sie wird ihre Karriere beenden. „Mit diesem DM-Titel habe ich bei Allianz MTV Stuttgart alles erreicht, was ich erreichen wollte. Der Club wird immer ein Teil von mir bleiben“, sagt die Diagonalangreiferin, „doch nun ist der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören.“ Für sie persönlich sicherlich. Nicht aber für die Mannschaft.

Die große Herausforderung, ein neues Team zu bauen

Trainer Giannis Athanasopoulos werden in der nächsten Saison fünf Spielerinnen sicher fehlen: neben van Daelen haben auch Molly McCage, Renata Sandor und Micheli Tomazela Pissinato das Ende ihrer Laufbahn verkündet, Sarah Wilhite geht nach Brasilien. Weil zudem Fragezeichen hinter Madison Bugg, Jana-Franziska Poll, Julia Schaefer und Paige Tapp stehen, wird womöglich ein kompletter Neuaufbau nötig sein – und das ausgerechnet nach dem größten Triumph der Vereinsgeschichte. „Wir stehen vor einer echten Herausforderung“, sagt Kim Renkema, und trotzdem respektiert die Sportchefin die Entscheidung von Deborah van Daelen: „Wir hätten uns keine bessere Kapitänin wünschen können. Sie beendet ihre Karriere mit einer Goldmedaille, und für uns war sie Gold wert. Wir verlieren eine große, sympathische Persönlichkeit.“

Was die Niederländerin für ein positiver Charakter ist, zeigte sich vor allem in der Meister-Saison. Nach ihrer Rückkehr im Jahr 2015 (zuvor hatte sie zwischen 2012 und 2014 schon einmal in Stuttgart gespielt) war ihre Rolle auf dem Feld immer wichtiger geworden – bis Krystal Rivers kam. Die Diagonalangreiferin aus den USA ist die stärkste Volleyballerin in der Bundesliga, entsprechend gering waren die Einsatzzeiten von Deborah van Daelen. Doch sie haderte nicht, gab im Training weiterhin alles, und war immer da, wenn sie gebraucht wurde. Auf dem Feld, und erst recht daneben. „Sie ist jederzeit positiv, hat das Team auch in schwierigen Momenten zusammengehalten und stets die richtigen Lösungen gefunden“, sagt MTV-Coach Athanasopoulos, „sie hat sich immer zunächst um die Mannschaft gekümmert, erst danach um sich.“ Das kommt jetzt dran.

Neue berufliche Perspektive

Deborah van Daelen wird in Stuttgart bleiben, und auch künftig ist in ihrem Leben Musik drin. Sie hat einen Job bei einem der Sponsoren von Allianz MTV Stuttgart gefunden, steigt bei der Opus GmbH ein, dem Veranstalter der Jazz Open. „Musik ist meine große Passion“, sagt die Niederländerin, „ich freue mich riesig auf die Herausforderung, in dieser Branche arbeiten zu dürfen.“

Verabschiedet werden soll van Daelen beim ersten Heimspiel der Saison 2019/20, danach wird sie sich auf die Tribüne setzen. Vielleicht ja zu den Trommlern. Schließlich weiß sie spätestens seit der Titelfeier, wie man erfolgreich auf die Pauke haut.

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