Verkehr in der Region Stuttgart Beim Straßenbau ist Streit normal

Von Thomas Durchdenwald 

Nordostring und Filderauffahrt sind die Dauerbrenner, wenn es um neue Straßen geht. Es gibt aber noch mehr – beispielsweise der Rosensteintunnel.

Verkehrsstau an der Neckarbrücke bei Aldingen.Foto: Lichtgut/Kovalenko

Stuttgart - Der öffentliche Nahverkehr mit S-Bahn, Stadtbahnen und Bussen steht in den Wahlprogrammen der Parteien für die Gemeinderats- und Regionalwahl meistens an erster Stelle des Verkehrsteils. Doch Mobilität findet auch im Auto (in deutlicher Mehrheit), auf dem Fahrrad und zu Fuß statt – und in Stuttgart vielleicht sogar bald in einer Seilbahn, die in fast allen Ideensammlungen der Fraktionen auftaucht. Doch es gibt auch deutliche Unterschiede.

Der teure Rosensteintunnel

Ist der Bau des mittlerweile 360 Millionen Euro teuren Rosensteintunnels, der Mitte 2021 fertig sein soll, aber längst von der S-21-Krankheit Kostenerhöhung angesteckt ist, das letzte große Straßenbauprojekt in der Landeshauptstadt? Darauf geben die Parteien unterschiedliche Antworten. CDU, FDP und Freie Wähler machen sich seit Jahren für umstrittene Umgehungsstraßen stark. Das ist einmal der Nordostring zwischen Kornwestheim und Fellbach, der einerseits im Bundesverkehrswegeplan steht, andererseits aber vom Grünen-Landesverkehrsminister Winfried Hermann zum Ärger der CDU nicht mit Priorität geplant wird. Und zum anderen gibt es das Projekt für eine Filderauffahrt in einem langen Tunnel zwischen der B 14 im Neckartal beim Großmarkt und der B 27 bei Möhringen, das freilich nicht mehr ist als eine Idee. Davon versprechen sich die Befürworter von CDU, Freien Wählern und FDP eine Entlastung der Stuttgarter City vom Durchgangsverkehr – gerade dort, wo die Luftbelastung besonders hoch ist. Die Gegner von Grünen, SPD und Linken bezweifeln diesen Effekt und verweisen darauf, dass beide Projekte sehr teuer wären und – wenn überhaupt – frühestens Mitte des nächsten Jahrzehnts fertig sein könnten, aktuell also keine Abhilfe brächten.

Nord-Süd-Straße beim Gewerbegebiet Vaihingen/Möhringen

Viel rascher zum Schwur könnte es beim Ausbau der Nord-Süd-Straße von der Autobahn 8 zum großen Gewerbegebiet Vaihingen/Möhringen kommen, wenn dort Allianz und Daimler Arbeitsplätze für mehrere Tausend Beschäftigte geschaffen haben: Soll die Straße ausgebaut werden, auf der sich schon heute im Berufsverkehr die Autos stauen – und wenn ja, wie? Aber es stehen noch weitere Projekte an: der Abriss der Rampe B 10/27 Friedrichswahl, neue Verkehrsführung an der Kulturmeile (Tunnel und Reduzierung der oberirdischen Fahrspuren) und neue Tunnel im Stuttgarter Osten (CDU) oder für B 10/27 in Zuffenhausen (SPD). Und gibt es einen Deckel für die B 10 im Neckartal, wenn das Gaisburger EnBW-Areal neu bebaut wird? Einig sind sich die Fraktionen, dass es Warenverteilzentren geben soll, um den Lieferverkehr zu minimieren und für die Lieferung an die Haustür elektrisch betriebene Lastenfahrräder einsetzen zu können.

Mehr Radverkehr – aber wie?

Grundsätzlich sind alle Fraktionen für eine Ausweitung der Radverkehrs – allerdings gibt es in der Praxis unterschiedliche Einschätzungen, wenn neue Radspuren auf Kosten des Autoverkehrs und der Parkflächen gehen. Und die Bandbreite wird auch in Forderungen deutlich, wie die „konsequente Verfolgung von Verkehrsverstößen, die Fußgänger und Radfahrer gefährden“ (Linke) und die „stärkere Überwachung und konsequente Verfolgung von Verkehrsverstößen durch Radfahrer“ (FDP).

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