Warum geht das nicht? Bei Amazon mit PayPal bezahlen

Von Katrin Klingschat  

Amazon und PayPal sind zwei Riesen im Online-Handel: Beide fahren seit Jahren Umsätze in Millionen- bis Milliardenhöhe ein, ein Ende des Wachstums ist für keinen der beiden Player absehbar. Und gerade da drängt sich die Frage auf: Warum kann man bei Amazon nicht mit PayPal bezahlen?

Der Online-Marktplatz Amazon bietet eine Vielzahl von Bezahlmöglichkeiten: Kreditkarte, Bankeinzug, Gutscheine – sogar eine Monatsabrechnung ist möglich, bei der Kunden einmal im Monat alle Bestellungen der letzten vier Wochen per Überweisung bezahlen. Wer häufig bei Amazon bestellt, hat sicher seine Bankdaten schon hinterlegt und schließt den Bestellprozess mit wenigen Klicks ab.

PayPal hingegen wird auf Amazons Seite zu den Zahlmöglichkeiten explizit ausgeschlossen. Dabei ergab eine Studie der PostNord AB 2018, dass 52 Prozent der Deutschen PayPal oder ähnliche Payment-Dienste als Bezahlmethode im E-Commerce bevorzugen. Am umsatzstärksten sind zwar Zahlungen per Rechnung, aber immerhin rund 20 Prozent des Umsatzes im deutschen E-Commerce werden bereits über PayPal generiert.

Dafür, dass man bei Amazon nicht mit PayPal bezahlen kann, gibt es im Wesentlichen zwei Gründe.

Grund 1: Amazon hat eigene Bezahlmethoden

Im Jahr 2007 führte Amazon seinen eigenen Payment-Dienst ein: Amazon Pay. Kunden hinterlegen dabei ihre Kreditkarten- oder Kontodaten bei Amazon und können dann, wie mit PayPal, in diversen Online-Shops mit Amazon Pay bezahlen. Der Service ist in weiten Teilen Europas und in den USA verfügbar. Amazon Pay bietet außerdem Vorteile für diejenigen Nutzer, die zwar bereits ein Amazon-Konto, aber keinen PayPal-Zugang besitzen. Dass sich die beiden Zahlmethoden ähnlich sind ist dabei sicher auch kein Zufall: Vice President bei Amazon Pay ist seit 2015 Patrick Gauthier, der zuvor für PayPal tätig war. Noch hat PayPal bei den Nutzern aber die Nase ganz klar vorne: Mit 277 Millionen aktiven Accounts weltweit (Stand: Q1/2019) übertrumpft es Amazon Pay deutlich, das im Frühjahr 2017 rund 33 Millionen Kunden hatte.

Grund 2: PayPal wurde durch Konkurrent von Amazon groß

Der Grundstein für PayPal wurde bereits 1998 im Silicon Valley gelegt. Zu den Gründern gehörte unter anderem auch Elon Musk. Der Erfolg beruhte zum großen Teil auf der Tradition des bargeldlosen Bezahlens in den USA. Die bis dato beliebten Schecks eigneten sich jedoch nicht für Online-Zahlungen. PayPal schloss diese Lücke in den USA. PayPal war vor allem als Bezahlmethode für Auktionen auf eBay beliebt. Deswegen kaufte das Online-Auktionshaus PayPal im Oktober 2002. Bis 2015 gehörte PayPal zu eBay – und damit zu einem der größten Konkurrenten von Amazon. Zwar sind eBay und PayPal seit 2015 wieder vollständig getrennte Unternehmen, die Partnerschaft besteht jedoch immer noch. Verständlich also, dass Amazon nicht die Bezahlmethode nutzen möchte, die durch einen Konkurrenten erfolgreich geworden ist.

In dem Vertrag, den eBay und PayPal 2015 bei ihrer Trennung geschlossen haben, ist eine Partnerschaft für weitere fünf Jahre festgelegt. Das heißt, erst danach sind die beiden Konzerne nicht mehr an die alte Verbindung gebunden. Falls Amazon und PayPal zusammenarbeiten wollen, würde dies also frühestens 2020 geschehen.

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