Weltgesundheitsorganisation warnt Masernfälle steigen weltweit rasant an

Von Markus Brauer/dpa 

Die Weltgesundheitsorganisation WHO meldet alarmierende Masern-Zahlen. Besonders betroffen ist Afrika. Aber auch in Europa breitet sich die Krankheit in einem dramatischen Tempo aus.

Eine Krankenschwester impft im Gesundheitszentrum von Iarintsena im Süden Madagaskars Kleinkinder gegen Masern. Foto: Laetitia Bezain/dpa

Genf - Im ersten Halbjahr 2019 gab es global gesehen die höchste Zahl an gemeldeten Masernfällen seit 2006 im gleichen Zeitraum. Bis Ende Juli wurden in 182 Ländern nach vorläufigen Zahlen fast 365 000 Masernfälle registriert, fast drei Mal so viele wie im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres und mehr als im Gesamtjahr 2018, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf berichtete.

„Millionen Menschen sind weltweit in Gefahr“, berichtet die WHO. Sie empfiehlt Reisenden, ihren Impfstatus zu prüfen. Ab einem Alter von sechs Monaten sollte jeder spätestens 15 Tage vor einer Reise in betroffene Regionen geimpft werden.

350 000 Masern-Fälle 2018

Bis vor etwa einem halben Jahrhundert waren Masern in fast der gesamten Welt verbreitet. Die Zahl der Krankheitsfälle war also relativ gleichbleibend hoch, schreiben Forscher um Bartosz Lisowski vom Jagiellonian University Medical College in Krakau. Mit der Einführung der Masern-Impfung – in den 1960er und 1970er Jahre in der westlichen Welt und seit 2000 in vielen Entwicklungsländern – sei die Zahl der Erkrankungen erheblich gesunken.

Bis 2016 waren die Masern-Zahlen weltweit rückläufig. 2018 dann wurden weltweit insgesamt gut 350 000 Masern-Erkrankungen gemeldet, mehr als doppelt so viele wie im Jahr davor. Die WHO betont aber, dass nur ein Bruchteil der tatsächlichen Erkrankungen gemeldet werde. Die aktuellsten WHO-Schätzungen über die wahren Zahlen beziehen sich auf 2017. Damals seien vermutlich 6,7 Millionen Menschen an Masern erkrankt und 110 000 gestorben.

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Hoch ansteckende Virus-Erkrankung

Masern sind eine der ansteckendsten Krankheiten der Welt. Das Virus verbreitet sich von der Luftröhre aus. Vom typischen Masern-Husten werden die winzigen Partikel in die Umgebung geschleudert und von den Umstehenden eingeatmet. Mit Hilfe eines bestimmten Rezeptors infizieren die Viren die Zellen in den Atemwegen. Diese virusbeladenen Zellen wandern über die Lymphknoten in die Organe, wo sie sich vermehren.

Die Erkrankung, die vor allem bei Kindern auftritt, ruft neben den typischen roten Hautflecken (Masern-Exanthem) Fieber und einen erheblich geschwächten Allgemeinzustand hervor. Zudem können Lungen- und Hirnentzündungen auftreten. Überlebende könnten Hirnschäden davontragen oder blind und taub werden.

900 Prozent mehr Masern-Erkrankungen in Afrika

In der WHO-Afrika-Region sei die Zahl der gemeldeten Fälle in den ersten sechs Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 900 Prozent gestiegen, in der Westpazifikregion um 230 Prozent, schreibt die WHO. In der Europa-Region stieg sie um 120 Prozent. Zu der Region zählen neben der EU auch Russland, die Türkei, Israel und die in Asien liegenden Länder Usbekistan und Aserbaidschan.

In Deutschland war der Trend im vergangenen Jahr rückläufig: Nach knapp 930 Masern-Fällen 2017 wurden nach Angaben des Robert Koch-Instituts im Jahr 2018 etwa 540 Fälle gemeldet. In diesem Jahr haben aber schon mehrere Bundesländer mehr Masernfälle gemeldet als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

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Impfpflicht in Deutschland ab März 2020

Die WHO verlangt mehr Impfungen. Das Bundeskabinett hat ein Gesetz für eine Masern-Impfpflicht in Deutschland auf den Weg gebracht. Ab März 2020 müssen Eltern vor der Aufnahme ihrer Kinder in eine Kita oder Schule nachweisen, dass diese geimpft sind.

Mangelnde Impfbereitschaft zählt laut WHO zu den gegenwärtig größten Gesundheitsrisiken der Welt. Sie drohe die Fortschritte bei der Bekämpfung von Krankheiten zunichte zu machen, die durch Impfen vermeidbar sind.

Ein Grund: In vielen europäischen Ländern liege der Anteil geimpfter Kinder heute unter 95 Prozent – die Rate, die für nötig erachtet wird, um eine Ausbreitung der Viren in einer Gruppe zu stoppen. Das liege zum einen an der wachsenden Zahl von Menschen, die Impfungen für überflüssig oder sogar gesundheitsschädlich hielten. Zum anderen führten Kriege oder Flüchtlingsbewegungen dazu, dass Kinder nicht wie vorhergesehen geimpft werden.

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