Werkzeugmaschinenhersteller Jobabbau kann sich rächen

Von Ulrich Schreyer 

Die Hersteller von Werkzeugmaschinen erhalten weniger Aufträge. Doch auch wenn die Auslastung schlechter wird, sollten sie auf den Abbau von Arbeitsplätzen verzichten, meint Ulrich Schreyer

Die Hersteller von Werkzeugmaschinen kämpfen mit sinkenden Aufträgen.Foto: dpa

Stuttgart - Wenn sich die deutschen Werkzeugmaschinenhersteller in wenigen Wochen auf der Fachmesse EMO in Hannover präsentieren, zeigen sie mit Sicherheit eine ganze Reihe interessanter Neuheiten. Und mit den Kunden an ihren Ständen sprechen sie dann genauso sicher gerne über Digitalisierung und Industrie 4.0. Dass sie sich bei diesen Themen engagieren müssen, stellt niemand mehr in Abrede. Doch wenn es um die künftige Entwicklung der Branche geht, dürfte der auf Messe üblicherweise stets zur Schau getragene Optimismus eher nachdenklichen Mienen weichen.

Die jüngsten Zahlen des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken zeigen, dass auch in dieser Schlüsselbranche die schönen Zeiten zu Ende sind. Nach jahrelangen Rekordzahlen brechen die Aufträge jetzt weg. Ein Minus um mehr als 20 Prozent im ersten Halbjahr, das sind nicht nur schlechte sechs Monate – das ist auch ein eher pessimistisches Zeichen für die Zukunft. Was bisher nicht an Bestellungen kam, bringt auch für den Rest des Jahres und wohl zumindest bis in das Frühjahr hinein keinen Umsatz.

Branche spürt Zurückhaltung bei Investitionen

Der Trend zum Elektroauto und die Unsicherheit über die weitere Entwicklung in der Autoindustrie mahnen zur Zurückhaltung bei den Investitionen, zudem werden für den Elektroantrieb weniger Teile benötigt, die mit Werkzeugmaschinen hergestellt werden müssen. Ein Elek­tromotor braucht beispielsweise keine Kurbelwelle. Und auch die gestiegenen weltpolitischen Unsicherheiten bremsen die Lust am Investieren.

Der südwestdeutsche Landesverband des Maschinenbaus hat bereits darauf hingewiesen, dass sich der Personalaufbau verlangsamen werde. Das sieht bei den Werkzeugmaschinenherstellern nicht anders aus: Autobauer, aber auch der allgemeine Maschinenbau gehören zu den wichtigsten Kunden. Und möglicherweise kommt es noch schlimmer.

Es ist durchaus denkbar, dass Betriebe nicht mehr ausgelastet sein werden. Sinnvoller, als Stellen zu streichen, wie dies auch schon praktiziert wurde, wäre dann Kurzarbeit. Nach der letzten Krise um die Jahre 2008/09 waren die Unternehmen froh, dass sie die Belegschaft gehalten haben. Beim anschließenden Aufschwung hat sich dies ausgezahlt.

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