Roger Federer gegen Rafael Nadal Eine Erinnerung an das größte Tennis-Spiel der Geschichte

Von Jörg Allmeroth 

An diesem Freitag treffen Rafael Nadal und Roger Federer in Wimbledon aufeinander. Es ist das erste Duell in London seit elf Jahren – das Finale 2008, das vielleicht beste Spiel der Tennis-Geschichte. Wir blicken zurück.

Federer (links) und Nadal: Gegner auf dem Platz, aber auch Freunde Foto: Getty Images

Stuttgart - Die Dunkelheit war schon längst hereingebrochen über Wimbledon, an jenem denkwürdigen 6. Juli 2008. Und so war es bloß einer Batterie von Blitzlichtern der Fotografenmeute zu verdanken, dass man wenigstens noch schemenhaft erkennen konnte, wie Rafael Nadal um halb zehn Uhr abends in den berühmten Siegerpokal biss. Ganz so, als müsse er sich vergewissern, ob das alles wahr und echt ist. Oder nur ein Traum, eine Illusion.

Aber doch, es stimmte: Vor genau 4023 Tagen wurde er im „größten Spiel der Tennisgeschichte“ (John McEnroe) erstmals zum Herrscher über das grüne Rasenreich an der Church Road – nach einem vier Stunden und 48 Minuten währenden Marathonduell gegen Roger Federer, das mit einem spektakulären 6:4, 6:4, 6:7 (5:7), 6:7 (8:10), 9:7 endete. „Spiel, Satz, Sternstunde“, titelte damals der „Spiegel“ über das historische Match, dem später sogar ein Film gewidmet wurde, mit dem Titel „Strokes of Genius“. Erst jetzt, am 12. Juli 2019, kommt es zum lang ersehnten Wiedersehen der Tennis-Titanen in Wimbledon, zum mittlerweile insgesamt 40. Duell von „Fedal“ – allerdings bereits im Halbfinale.

Spiel von anderem Stern

2008, im letzten Jahr ohne „Regenschirm“ über dem Centre-Court, erlebten 15 000 Fans live vor Ort nicht nur das bis dahin längste Wimbledon-Finale aller Zeiten, sondern schlicht „das beste Match, das man je erlebt hat“, so der dreimalige Champion Boris Becker: „Ich war so in den Bann dieses Spiels gezogen, dass mir hinterher die Hände zitterten.“ Wer das Drama verfolgt habe, so gab damals Australiens Legende Rod Laver zu Protokoll, „wird es nie vergessen können. Das war Tennis von einem anderen Planeten“.

Mit Nadals Triumph endete jedenfalls die lange Regentschaft des scheinbar ewigen Wimbledon-Königs Federer. Nach seinem Premierensieg 2003 hatte der Schweizer das Geschehen auf dem heiligen Rasen jahrelang souverän beherrscht und auch die Titel 2004, 2005, 2006 und 2007 gewonnen. Ein Jahr später hatte er die Möglichkeit, das halbe Dutzend vollzumachen und den Rekord des Engländers William Renshaw mit sechs Siegen nacheinander einzustellen – doch in dem epischen Vergleich gegen Nadal war schließlich auch eine atemraubende Aufholjagd des Maestro vergebens. „Das ist ein Erlebnis, das du nicht in Worte fassen kannst“, sagte Nadal glückstrunken, „emotional wie nichts, was ich jemals auf einem Tennisplatz erlebt habe.“

Ein „antikes Drama“

Es war eben auch größtes Tennis zwischen Federer und Nadal. Niemals zuvor balancierten zwei Championspieler ja so nervenzehrend am Abgrund des Scheiterns und spielten doch gleichzeitig Traumschläge wie am Fließband. Wie ums Überleben kämpften der Spanier und der Schweizer um diesen Titel, knallten dem anderen Asse und Passierbälle um die Ohren – immer dann, wenn es am meisten zählte, bei den Big Points. Als „antikes Drama“ erschien dem Briten Tim Henman die Partie. Nur Federer war untröstlich: „Es ist die schlimmste Niederlage meiner Karriere“, so Federer danach, „viel schlechter habe ich mich selten gefühlt.“

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