WLB startet mit Schiller „Kabale und Liebe“ in der Jubiläumsspielzeit

Von Fabian Stetzler 

Mit Beats und starken Bildern startet die Württembergische Landesbühne in Esslingen mit „Kabale und Liebe“ in ihre Jubiläumssaison. Leider kommt gerade das Spiel der Liebe etwas unterkühlt daher.

Mit schönen Bildern von zeitloser Schwere beeindruckt Christine Gnanns Inszenierung. Das Foto zeigt Felix Jeiter als Ferdinand und Nathalie Imboden als Lusie.Foto: WLB/Patrick Pfeiffer

Esslingen - Vor hundert Jahren begann die Geschichte der Württembergischen Landesbühne (WLB) in Esslingen. Das erste Stück, das sie gab, war Friedrichs Schillers „Kabale und Liebe“. Und so eröffnete die WLB ihre Jubiläumsspielzeit ebenfalls mit dem Trauerspiel um das Scheitern der Liebe des adeligen Ferdinand zur bürgerlichen Luise, Schillers wortgewaltige Kampfansage an ständisches Denken.

In der Inszenierung von Regisseurin Christine Gnann wummern Technobeats. Zu Beginn tanzt dazu Luise mit Kopfhörern. Sie will die Sorgen ihrer Eltern nicht hören. Denen schwant Übles, weil der Sohn des Präsidenten am Hof des Fürsten sich ausgerechnet in ihr Kind verguckt hat. So stark Ferdinands und Luises Liebe auch ist, sein Vater arrangierte bereits eine Heirat mit der Lady Milfort. Er setzt mit seinem Sekretär Wurm und dem Hofmarschall von Kalb ein Intrigenspiel in Gang, das Ferdinand von Luise trennen soll.

Ein Saugroboter steht für die Dekadenz

Die Beats ziehen sich durch das gesamte Stück. Der Hofmarschall ist ein ständig berauschter DJ, der mit dem Präsidenten und dem Sekretär ein überzeugend gespieltes, diabolisches Triumvirat bildet. Als Lady Milfort verkörpert Elif Veyisoglu eindrücklich die Dekadenz des Adels, in dem sie gelangweilt mit einem Staubsaugroboter auf der Bühne interagiert. Ein herkömmlicher Staubsauger, mit dem Luises Vater unterwürfig für die Adeligen sein Haus säubert, bildet dazu ein interessantes Gegenbild. Überhaupt gelingen auf der Bühne von Judith Phillip, die aus einem Gestell mit einer Treppe und einer glatten Rampe besteht, starke Bilder. Etwa als Ferdinand versucht die Rampe hochzukriechen, es aber nicht vermag, Luise zu erreichen, die oben in einem riesigen Kronleuchter festhängt.

Wie zeitlos Schillers Stück noch heute wirkt, zeigt sich als Wurm Luise zwingt, einen Brief zu schreiben. Unweigerlich erinnert die Gewaltszene an die Diskussionen der Metoo-Debatte, an den Machtmissbrauch von Eliten. In dieser Szene verdichtet Gnann klug das Stück, in dem sie zeitgleich den Brief von Luise schreiben und von Ferdinand lesen lässt. Hier reißt die Inszenierung mit.

Allerdings sind solche Szenen rar. Der Performance mangelt es an Leidenschaft, das gilt auch für die junge Natalie Imboden, die Luise spielt. Sie mimt die Figur steif und übernaiv, sodass man ihr und Ferdinand die feurige Liebe kaum abnimmt. Gerade dem tragischen Finale fehlt es so leider an Kraft. Doch allein die Bilder und die zeitlose Schwere des Stücks lohnen es, der WLB einen Jubiläumsbesuch abzustatten.

Artikel teilen