Baden-Württembergs Ministerpräsident Sieben Dinge, die Sie über Winfried Kretschmann noch nicht wussten

Von Arnold Rieger 

Man meint ihn zu kennen, den Ministerpräsidenten mit dem markanten Bürstenhaarschnitt. Doch manche Eigenheit Winfried Kretschmanns ist kaum bekannt. Wir lüften einige Geheimnisse des Grünen-Politikers.

Macht gerne Liegestützen im Park: Winfried Kretschmann Foto: SVEN SIMON

Stuttgart - Die Liebe zur Philosophie und zum Heimwerken – manche Eigenheiten Winfried Kretschmanns sind gut bekannt. Andere Eigenschaften des Ministerpräsidenten liegen jedoch noch fast im Dunkeln. Es ist Zeit, ein paar Geheimnisse des Grünen-Politikers zu lüften.

1. Berufswunsch

Als Kind wollte Winfried Kretschmann eigentlich Pfarrer werden. Die Zeit in einem strengen, katholischen Internat in Riedlingen trug jedoch dazu bei, dass er seinen Berufswunsch änderte. Er landete in den wilden 68ern beim Kommunistischen Bund Westdeutschland, wurde sodann ein Grüner und ein Lehrer mit einem Faible für Ethik. Er ist der einzige deutsche Politiker, der von „Ontologie“ so selbstverständlich redet wie CSU-Grande Horst Seehofer von „Heimat“. Kretsch­mann ist ein politischer Philosoph mit Sendungsbewusstsein und Bodenhaftung. In der Ontologie geht es übrigens um die Grundstrukturen der Wirklichkeit und der Möglichkeiten. Die politische Wirklichkeit besagt: Die Chancen Kretschmanns, Ministerpräsident zu werden, waren minimal; aber Möglichkeiten gibt es gleichwohl; und diesen Möglichkeiten konnte er nachhelfen.

2. Weltretter

In jungen Jahren wollte Kretschmann nach eigenem Bekunden die Welt retten. Dann sei ihm aufgegangen, dass er das gar nicht könne. Seitdem geht der Grüne seine Ziele Schritt für Schritt an und im Wissen, dass es Vollkommenheit nicht gibt. Es ist ja so: Früher lagen Welten zwischen Schwarz und Grün. Seit dem Atomausstieg von Kanzlerin Angela Merkel hatten sich die Dinge neu entwickelt. Heute regieren Grün und Schwarz im Südwesten gemeinsam.

3. Geistesblitz

In den 1980er Jahren plädierte Kretsch­mann im Landtag dafür, dass die Toilettenspülung zwei Knöpfe haben sollte – einen fürs große und einen fürs kleine Geschäft. Im Parlament stieß das damals auf Heiterkeit – heute ist diese Technik Standard. Kretschmann sagt, er sei Politiker, um Probleme zu lösen. „In der Regel müssen wir alle Dinge abwägen, und da gibt es nicht einfach Ja oder Nein.“ Er wolle die eigene Querköpfigkeit begrenzen und „integrieren, zusammenführen und zu allem was Kluges sagen“. Typisch ist etwa, wie er die in der Umweltpartei heikle Fragen nach seinem Dienstwagen beantwortete. Ein baden-württembergischer Ministerpräsident fahre einen Daimler, sagte er. „Basta – ich nehme einen Daimler S-Klasse, ich kann doch keinen Fiat fahren.“

4. Altgriechisch

„Ich bin ein Altgrieche und Anhänger langer Sätze“, bekannte Kretschmann einmal in einem Interview. Twittern kommt für ihn deshalb nicht infrage: „Mir würden sich die Haare sträuben, wenn ich meine Politik in 140 Zeichen erklären müsste“, sagte er. Auch bei der privaten Lektüre bevorzugt er lange Sätze – gern auch in Altgriechisch. Zu seinen Lieblingsbüchern zählt die „Odyssee“ von Homer. Das ist ein Epos in 24 Gesängen, das aus mehr als 12 000 Versen besteht. Sommers zieht sich Kretschmann gern auf eine einsame Insel in der Ägäis zurück und liest die weltberühmte Geschichte über die Heimkehr des Helden aus dem Trojanischen Krieg dann im Original. Auf der Ferieninsel geht der Schwabe auch einer anderen Lieblingsbeschäftigung nach: dem Schweigen.

5. Fitness

Wenn frühmorgens Schatten durch den Park der Villa Reitzenstein huschen, sind das entweder die landeseigenen Eichhörnchen – oder der Ministerpräsident absolviert gerade sein Fitnessprogramm. „Mir geht’s gut, ich bin 5,3 Kilometer gejoggt, habe 40 Liegestützen gemacht und vieles mehr“, sagte Kretschmann einmal. Aber eigentlich hält er sich ja lieber mit Heimwerken fit. Der Grünen-Werbespot zur Landtagswahl 2016, der ihn in seiner Sigmaringer Werkstatt mit dem Tischlerhobel zeigt, ist schon legendär. Handwerklich könne er alles – außer schweißen, hat er einmal bekannt. Und dass er am liebsten in Baumärkten herumstöbert und Werkzeuge ausprobiert. Wenn er in Rente ist, wann immer das auch sein wird, will er seinem Enkel übrigens ein Schaukelpferd bauen.

6. Reisen

Kretschmann reist nicht besonders gerne – vor allem nicht, wenn er dabei mehrere Zeitzonen in kurzer Zeit überwinden muss. Trotzdem kommt er in seinem Amt um Fernreisen natürlich nicht herum. Im September 2018 stand zum Beispiel steht Kalifornien auf dem Plan. In Sacramento traf er mit dem damaligen kalifornischen Gouverneur Jerry Brown zusammen – und den schätzt Kretschmann außerordentlich. Brown ist nämlich bereits 81, erweckt aber trotzdem dem Eindruck, als könne er Bäume ausreißen. „Raumgreifend“ trete Brown auf und strahle viel Kraft aus, hat Kretschmann einmal geschwärmt.

7. Brille und Schuhe

Winfried Kretschmann hat nur zwei Brillen, aber mit austauschbaren Bügeln. „Ich habe auch schon an ein und derselben Brille zwei unterschiedliche Bügel gehabt“, erklärte der Mozart-Liebhaber. „Aber nur an Fastnacht.“ In Wechselstimmung ist er aber vor allem bei den Schuhen: Kaum ist ein offizieller Auftritt beendet, streift er die noblen Business-Modelle von den Füßen und schlüpft in extrabreite Wohlfühlschuhe der Bietigheimer-Bissinger Firma Bär. (ari/dpa/StN)

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